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Maria Noichl
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Frage von Alexander H. •

Sehr geehrte Maria, > Können Sie in der Politik über die Wichtigkeit einer Weltwirtschaft, die ohne Wachstum um jeden Preis funktioniert, reden und den Anfang gegen den Wachstumszwang machen?

Sehr geehrte Maria Noichl, > Können Sie in der Politik über die Wichtigkeit einer Weltwirtschaft, die ohne Wachstum um jeden Preis funktioniert, reden und den Anfang gegen den Wachstumszwang machen?

Bürger wollen eine Wirtschaft, die ohne Wachstum um jeden Preis funktioniert.

https://www.eu-umweltbuero.at/inhalt/umfrage-buergerinnen-wollen-kein-wachstum-um-jeden-preis?ref=

Es werden immer mehr KI-Rechenzentren gebaut, welche massiv Energie verbrauchen.

https://www.greenpeace.de/ueber-uns/loesungen-finden/kuenstliche-intelligenz-energieverbrauch-und-umweltauswirkungen

Es wird trotz wachsenden Recyclings immer mehr neues Plastik produziert.

https://www.dw.com/de/plastikverschmutzung-global-fossile-brennstoffe-einwegplastik-%C3%B6kosystem-neue-gesch%C3%A4ftsmodelle-un/a-73568524

Regenwälder verschwinden, wir haben ein nie dagewesenes Artensterben.

https://www.greenpeace.de/biodiversitaet/artenkrise/artensterben

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Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr H.,

vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Gedanken zu der Frage, wie wir unser Wirtschaftssystem so gestalten können, dass wirtschaftliche Entwicklung nicht zulasten unserer natürlichen Lebensgrundlagen geht.

Für mich ist klar: Wirtschaftliches Wachstum darf kein Selbstzweck sein. Unser politischer Maßstab kann nicht allein darin bestehen, ob das Bruttoinlandsprodukt steigt (Alleine über das BIP könnte man trefflich diskutieren). Entscheidend ist vielmehr, ob wirtschaftliche Entwicklung den Menschen zugutekommt, gute Arbeitsplätze schafft, soziale Sicherheit stärkt und gleichzeitig innerhalb der ökologischen Grenzen unseres Planeten stattfindet.

Deshalb dürfen wir wirtschaftliches Wachstum nicht gegen Klima-, Umwelt- und Naturschutz ausspielen. Im Gegenteil: Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist Voraussetzung für langfristigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wohlstand. Klimaneutralität, Ressourceneffizienz, eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und der Schutz unserer Ökosysteme gehören für uns deshalb untrennbar zu einer zukunftsfähigen europäischen Wirtschaftspolitik.

Der steigende Energie- und Ressourcenbedarf, etwa durch die zunehmende Digitalisierung und den Ausbau von Rechenzentren, die weiterhin hohen Mengen neu produzierten Plastiks sowie der Verlust von Ökosystemen und der biologischen Vielfalt machen deutlich, dass Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen nicht unbegrenzt wachsen dürfen.

Dabei geht es aus meiner Sicht jedoch nicht darum, wirtschaftliche Entwicklung grundsätzlich abzulehnen. Wir müssen vielmehr sehr viel genauer fragen: Was soll wachsen – und was muss weniger werden? Wachsen sollen beispielsweise erneuerbare Energien, eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft, Reparatur und Wiederverwendung, nachhaltige Technologien, gute Arbeit und soziale Dienstleistungen. Gleichzeitig müssen der Verbrauch endlicher Ressourcen, Umweltverschmutzung, Treibhausgasemissionen und die Zerstörung von Ökosystemen konsequent zurückgehen.

Genau darin liegt auch eine große wirtschaftliche Chance für Europa. Eine moderne Industriepolitik muss Innovation und Wettbewerbsfähigkeit mit Klimaschutz, Ressourceneffizienz und sozialer Gerechtigkeit verbinden. Eine Wirtschaft, die weniger Rohstoffe verschwendet, Produkte länger nutzt und Materialien wiederverwendet, macht Europa zudem unabhängiger von Rohstoff- und Energieimporten.

Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gehört dabei die soziale Frage immer dazu. Die notwendige ökologische Transformation kann nur erfolgreich sein, wenn sie gerecht gestaltet wird und nicht diejenigen die Hauptlast tragen, die ohnehin wenig finanziellen Spielraum haben. Klimaschutz, Naturschutz, gute Arbeit, soziale Sicherheit und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit dürfen deshalb nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Die Diskussion darüber, wie wir Wohlstand künftig messen und wie eine Wirtschaft aussehen kann, die nicht auf einem immer höheren Ressourcenverbrauch basiert, halte ich daher für wichtig. Ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, dass wir auf europäischer Ebene, trotz zunehmendem Gegenwind, täglich dafür kämpfen.

Mit freundlichen Grüßen

Maria Noichl, MdEP

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