Warum wird echtes, nachhaltiges Biogas wie fossiles Erdgas mit CO₂-Umlage belastet, obwohl es zur Dekarbonisierung beiträgt? Wird eine Differenzierung angestrebt?
Als Bürger, der echtes Biogas über einen zertifizierten Anbieter bezieht, bin ich enttäuscht, dass auch dieses CO₂-neutrale Produkt voll mit der CO₂-Abgabe belegt wird. Biogas aus organischen Reststoffen ersetzt fossiles Erdgas und ist klimapolitisch sinnvoll – wird aber finanziell gleich behandelt wie Erdgas oder Heizöl. Das ist ein Widerspruch zur Förderung klimafreundlicher Technologien und bestraft aktive Beiträge zur Energiewende.
Ich bitte um Ihre Einschätzung: Gibt es politische Bestrebungen, diese Abgabe zu differenzieren? Wie stehen Sie persönlich zu einer CO₂-Befreiung echten Biogases?
Hintergrund: Anbieter wie Polarstern, Greenpeace Energy u. a. setzen sich für eine faire CO₂-Regelung ein. Quelle: https://www.polarstern-energie.de/magazin/artikel/co2-bepreisung-nach-heizsystem/
Hallo Guido M.,
Biogas entsteht durch die Vergärung von organischen Reststoffen oder Abfällen (z. B. Gülle, Bioabfälle, Pflanzenreste) unter Ausschluss von Sauerstoff in industriellen Anlagen. Es ist also frisch produziertes Methan aus Kreisläufen, die wir heute beeinflussen.
Auch im Falle von frisch produziertem Biogas existieren solide Hinweise dafür, dass es nicht automatisch klimaneutral ist. So weist u. A. ein Bericht von Farm Sanctuary darauf hin, dass 85% von 964 Biogasanlagen in Großbritannien und Deutschland (2011-2019) Methan-Leckagen aufweisen. Selbst bei einer Leckrate von nur 0,5% der Produktionsmenge können pro Anlage und Jahr rund 270 Tonnen CO₂-Äquivalent entweichen (https://www.farmsanctuary.org/news-stories/biogas-perpetuating-myths-sustainable-industrial-agriculture-renewable-natural-gas/). Ebenfalls steht die Nutzung von Anbauflächen für Energiepflanzen in Verbindung mit Landnutzungswandel, Monokulturen und Umweltbelastungen wie Wasser- und Bodenverschmutzung sowie Biodiversitätsverlusten. Das National Resources Defense Council (NRDC) fasst zusammen, dass Biogas keine umfassende Lösung für fossiles Gas darstellt (https://www.nrdc.org/press-releases/biogas-and-synthetic-gas-not-solution-polluting-natural-gas-todays-us-energy-system). Möglicherweise können in den kommenden Jahrzehnten technologische Durchbrüche erzielt werden, welche die Nachhaltigkeit in der Produktion von Biogas verbessern. Allerdings möchten wir auf Grund der dringlichen Notwendigkeit eines schnellen Wandels in der Energieproduktion auf bereits existierende und erwiesenermaßen effiziente Technologien der Wind- und Solaranlagen setzen.
Eine pauschale CO₂-Bepreisung, die vor allem auch Verbraucher*innen belastet, lehnen wir allerdings ab. Statt auf steigende Preise zu setzen, fordern wir klare staatliche Regulierung. Besonders kritisch sehen wir die Abwälzung von CO₂-Kosten auf Haushalte. Deshalb haben wir uns bereits in unserem Sofortprogramm gegen die Energiekriese (2022) und erneut im Wahlprogramm 2025 mit der Forderung „kein CO₂-Preis ohne Klimageld“ klar positioniert. Im Bundestag setzen wir uns dafür ein, dass ein sozialer Ausgleich in Form eines Klimageldes endlich umgesetzt wird, um die Bürger*innen zu entlasten.
Notwendige Entwicklungen zur Verlangsamung des Klimawandels müssen durch die gesamte Gesellschaft aufgefangen werden und dürfen nicht eine weitere Belastung für individuelle Haushalte oder kleinere Unternehmen werden.
Mit freundlichen Grüßen
Maren Kaminski

