Renteneintrittsalter: Wo ist für Sie die Obergrenze?
Sehr geehrte Frau Wulf,die Bundesregierung will das Renteneintrittsalter nicht mehr auf eine feste Zahl setzen. Stattdessen soll es automatisch immer weiter steigen, solange die Menschen im Schnitt länger leben. Im Klartext: Niemand in meiner Generation weiß, mit welchem Alter er überhaupt in Rente gehen darf: 68, 69, 70? Nach oben ist die Regelung offen.Und sie trifft nicht alle gleich. „Die Lebenserwartung steigt“ ist ein Durchschnitt. Wer mit 18 auf dem Bau oder in der Pflege anfängt, lebt statistisch kürzer muss aber trotzdem länger arbeiten. Die zusätzlichen Arbeitsjahre bekommen alle, die zusätzlichen Rentenjahre nicht.Ich möchte von Ihnen keine Broschüre und keinen Verweis aufs Parteiprogramm. Bitte antworten Sie mir in einem Satz:Sind Sie dafür, dass das Renteneintrittsalter immer weiter steigen kann ja oder nein? Und wenn ja: Bei welcher Zahl ist für Sie Schluss?
Das deutsche Rentensystem muss reformiert werden. Grund dafür ist besonders die finanzielle Belastung für die Beitragszahler, die durch den demografischen Wandel stets verstärkt wird.
Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission zur Erarbeitung einer Lösung des Problems hat ihre Empfehlungen vorgestellt. Eine der empfohlenen Maßnahmen ist die von Ihnen angesprochene Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung.
Die vorgeschlagene Kopplung soll ab dem Jahr 2031 gelten. Von jedem zusätzlichen Lebensjahr sollen dann acht Monate in Arbeit und vier Monate in Rente verbracht werden. Bis 2041 ergäbe sich nach aktuellen Prognosen ein moderater Anstieg des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre und 6 Monate. Für gesundheitlich belastete Personen schlägt die Kommission soziale Härtefallregelungen vor.
Die Kopplung an die Lebenserwartung soll dafür sorgen, dass das Verhältnis zwischen Beitragsjahren und Rentenbezugsjahren nicht immer weiter auseinander geht. Das Rentensystem und insbesondere die Beitragszahler sollen so finanziell entlastet und das Rentenniveau gesichert werden. Daher stehen meine Fraktion und ich hinter der Kopplung an die Lebenserwartung.
Ein entsprechender Gesetzentwurf wird jetzt erarbeitet. Nach Verabschiedung durch das Bundeskabinett wird der Gesetzentwurf das parlamentarischen Verfahren durchlaufen.

