Marco Schneider
SPD

Frage an Marco Schneider von Fvzba Fpuhym bezüglich Bildung und Erziehung

12. September 2008 - 12:31

Sehr geehrter Herr Schneider,

ich studiere zur Zeit in Würzburg Englisch und Sozialkunde auf Lehramt an Gymnasien.
Als angehender Lehrer interessieren mich deshalb im Speziellen die Bildungsziele, die sie und ihre Partei verfolgen:

"Wir wollen das Recht auf einen Ganztagsschulplatz und eine längere gemeinsame Schulzeit der Kinder statt der ungerechten Auslese im Alter von 10 Jahren."

(Dieses Zitat fand ich auf www.werstehtzurwahl.de)

Gerne würde ich mehr Details über diese Schulreform erfahren, im Besonderen wie sie sich auf das bisherige 8-jährige Gymnasium auswirken würde.

Mit freundlichen Grüßen,
Simon Schulz

Frage von Fvzba Fpuhym
Antwort von Marco Schneider
22. September 2008 - 16:30
Zeit bis zur Antwort: 1 Woche 3 Tage

Sehr geehrter Herr Schulz,

eine längere gemeinsame Schulzeit streben wir zwar langfristig schon an, aber erst in kleineren Schritten. Franz Maget selbst äußert sich zur Diskussion über Schulmodelle so: "Erstmal konkret vor Ort eine Bestandsaufnahme machen, was die Eltern, Lehrer und Schüler wollen und brauchen. Und dann die passende Schulform hierfür entwickeln."

Ein erster konkreter Schritt wäre für uns die Einführung der "Regionalschule". Hierzu finden Sie hier
(http://bayernspd.de/workspace/uploads/mundfunk/B-04-2007-regionalschule.pdf)

eine sehr gute und ausführliche Darstellung. Besser könnte ich es auch nicht erklären ... ;-)

Die Regionalschule soll das starre, unflexible dreigliedrige Schulsystem aufbrechen und Lösungen vor Ort ermöglichen. Allerdings betrifft diese Schulform lediglich den Bereich der Haupt- und Realschulen, die dann zu einer offenen Schulform fusionieren würden.

Das Gymnasium ist von dieser Reform erst einmal nicht betroffen, gleichwohl wird sich natürlich für die LehrerInnen einiges ändern, wenn es eine längere gemeinsame Schulzeit gibt.

Ich stehe auf dem Standpunkt, dass dies die Chance wäre, die Durchlässigkeit im Schulsystem zu erreichen. dazu braucht es aber auch Lehrer, die nicht starr an einer Schulform kleben bleiben. Was spricht künftig dafür, dass gelernte Gymnasiallehrer auch eine neunte oder zehnte Klasse einer Regionalschule unterrichten? Oder bei einer längeren gemeinsamen Schulzeit den Förderunterricht für besonders begabte SchülerInnen ab der dritten oder vierten Klasse übernehmen?

Kurzum: die SPD steht nicht für EIN neues Schulsystem, dass dann zwar nicht mehr dreigliedrig wäre, aber am Ende genauso starr und unflexibel. Wir wollen einen pädagogischen Freiraum schaffen, in dem man verschiedene Lösungen erarbeiten kann. Unser Motto "Keiner darf verloren gehen" setzt schon ganz früh an. Bis Kinder zu Ihnen aufs Gymnasium kommen, sind sie längst so stark vorgeprägt, dass Erfolg oder Scheitern meist schon früh angelegt sind. Hier müssen wir ansetzen.

Das Recht auf einen Ganztagsschulplatz bedeutet ja auch nicht eine Pflicht. Nur eine Option, die man ergreifen kann, wenn man das für sein Kind möchte. Auch Ganztagsschulen im Bereich der Regionalschulen würden sich sicher über einen fachlich versierten, eigentlich zum Gymnasiallehrer ausgebildete pädagogische Kraft freuen.

Das bedeutet aber auch: endlich mehr Pädagogik im Gymnasiallehrer-Studium und auch ein Angleichen der Lehrergehälter. Es kann nicht sein, dass Grundschullehrer deutlich weniger verdienen als ihre Kollegen auf den Gymnasien. Wenn Qualität möglichst früh beginnen soll, müssen dann auch Bezahlung und Ausbildung ALLER Lehrer stimmen.

Ich jedenfalls freue mich auf eine ideologiefreie, am Kind orientierte Diskussion über andere Schulformen - nach dem 28.09..

Beste Grüße
Marco Schneider