Frau Kappert-Gonther, werden mehr Psychotherapeuten eingestellt, zugelassen ? Gruss Silvia K.
Liebe Silvia. K.,
In meiner Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen bin ich zuständig für die Themen rund um die seelische Gesundheit. Als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie weiß ich, dass der Zugang zu Hilfen in seelischen Krisen akut notwendig ist und der Chronifizierung und Verschlechterung entgegenwirkt. Wir Grünen setzen uns mit Nachdruck für eine bessere Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Entstigmatisierung ein.
Es ist nicht hinzunehmen, dass viele Menschen in einer psychischen Krise monatelang auf passende Hilfe warten müssen und die Suizidzahlen wieder steigen. Was wir brauchen, sind nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen. Durch vielfältige gesellschaftliche Krisen erleben wir derzeit einen Anstieg psychischer Belastungen, besonders unter Kindern und Jugendlichen. Das Hilfesystem wird der steigenden Nachfrage nach Unterstützungs- und Behandlungsbedarfen zunehmend nicht mehr gerecht und stößt schon heute an seine Kapazitätsgrenzen. Insgesamt sind die Zugänge zum Hilfesystem mit zu vielen Hürden belastet. Sich dabei nur auf Anzahl der Zulassung Psychotherapeut*innen zu verengen, reicht nicht und ignoriert die strukturellen Defizite.
Denn alle Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, sollen im Bedarfsfall niedrigschwellige Zugänge zu passgenauen psychosozialen und therapeutischen Angeboten erhalten. Deswegen setzen wir uns dafür ein, Therapieplätze und psychiatrisch-psychosoziale Krisendienste bedarfsgerecht auszubauen sowie die Bedarfsplanung für psychotherapeutische Angebote zu modernisieren.
Eine bedarfsgerechte psychotherapeutische Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durch eine Reform der psychotherapeutischen Bedarfsplanung ist überfällig. Aufgrund von steigenden Belastungen in der Bevölkerung und einer veralteten Bedarfsplanung sind derzeit nicht ausreichend Behandlungskapazitäten verfügbar. Die Gesundheitsministerin sollte dem G-BA den Auftrag erteilen, die Bedarfsplanungsrichtlinien an die tatsächlichen Erfordernisse anzupassen. Dafür setzen sich meine Fraktion und ich mit Nachdruck ein. Einen entsprechenden Eilantrag „Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken“ (Drucksache 21/4954) haben wir dazu erst vor einigen Wochen in den Deutschen Bundestag eingebracht. Zudem sind flexiblere Hilfen aus dem Krankenhaus notwendig, darum machen wir uns dafür stark das „Globalbudget“ flächendeckend zu ermöglichen, damit psychiatrische Hilfen bedarfsgerecht und personenzentriert angeboten werden können.
Wir brauchen darüber hinaus auch ein Suizidpräventionsgesetz. Im Juli 2025 fand die Neugründung des Parlamentskreises Suizidprävention für diese Legislaturperiode statt. Bereits in der vergangenen Wahlperiode hatten wir ein solchen Kreis von Bundestagsabgeordneten.
Unser Ziel ist es, ein wirkungsvolles und umfassendes Suizidpräventionsgesetz auf den Weg zu bringen. Dabei ist es ein Anliegen, Suizidprävention nicht nur aus gesundheitlicher Perspektive zu betrachten, sondern auch gesellschaftliche Faktoren wie etwa Einsamkeit verstärkt in den Blick zu nehmen.
Wer Hilfe in seelischer Not braucht, muss die passende Hilfe bekommen. Dafür setze ich mich ein. Dazu gehört auch die Anpassung der psychotherapeutischen Bedarfsplanung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Kirsten Kappert-Gonther

