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Kai Voet van Vormizeele
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Frage an Kai Voet van Vormizeele von Hans-Jürgen B. bezüglich Finanzen

Sehr geehrter Herr van Vormizeele,

ich denke, über das "Rettungspaket" für die HSH-Nordbank AG wird noch in der Bürgerschaft diskutiert und abgestimmt werden.

Über den derzeitigen veröffentlichten Stand der Verluste der Bank ist die Öffentlichkeit aus der Presse informiert. Nach den Regeln der Bilanz oder auch der "Waage" von Soll und Haben muß es spiegelbildlich zu diesen Verlusten der Bank bei ihren Gläubigern Gewinne gegeben haben, in der Summe letztendlich deckungsgleich zu den Verlusten der ersteren.

Ist Ihnen bekannt, um welche Gläubiger im einzelen es sich handelt und wie hoch jeweils deren Gewinne, die bei der HSH natürlich den bisher bekannten Verlusten entsprechen, sind, sowie aus welchen Geschäften deren Gewinne jeweils entstanden sind ? Beabsichtigen Sie, in der Bürgerschaft darauf hinzuwirken, daß diese Gläubiger, die Art der Geschäfte und die Höhe der Gewinne im Parlament genannt werden ?

Ich denke, sowohl das Parlament, seine Abgeordneten als auch die Bürger haben einen Anspruch darauf, zu erfahren, welche Gläubiger für welche Geschäfte letztendlich mit den Steuermillarden bezahlt werden, wenn sie denn schon als Steuerzahler für diese Millardenrettung aufkommen und als Abgeordnete diese als Teil des Haushaltes absegnen sollen.

Hinweise auf das Bankgeheimnis verfangen nicht, da dieses nur zwischen der Bank und den Kunden gilt, nicht jedoch auf der Anteilseigner- bzw. Kapitalseite, wie es auch Prof. Lutter in Frontal 21 ausgeführt hat.

Ich würde mich freuen, von Ihnen eine befriedigende Antwort zu erhalten.

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen Behrend

Frage von Hans-Jürgen B. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 1 Monat

Sehr geehrter Herr Behrend!

Zunächst muss ich mich für den ungewohnt langen Zeitraum bei der Beantwortung entschuldigen. Aber die Weiterleitung Ihrer Mail, ist leider im SPAM-Ordner gelandet. Ihre Interpretation, dass die HSH Nordbank, bei anderen durch ihre Verluste Gewinne ausgelöst hat, kann ich nicht nachvollziehen.
Fakt ist, dass die HSH Nordbank nicht primär mit den Kundengeschäften ihre Verlust erwirtschaftet hat, sondern mit den Papieren aus dem Kredit-Investment-Portfolio. Diese Verluste sind als Buchverluste entstanden, da die Bewertungskurse ins Bodenlose gefallen sind.
Durch dieses Ungleichgewicht auf der Aktivseite (WP-Eigenbestand) ist die Passivseite (Eigenkapital) massiv aus den Fugen geraten.
Zusätzlich sind natürlich einige Kundenzahlungen ausgefallen, d.h. laufende Kredite mussten abgeschrieben, d.h. wertberichtigt werden.
Hieraus ergibt sich auch Abschreibungsbedarf entweder durch einen eingetretenen Ausfall (Insolvenz ohne Insolvenzmasse), direkte Abschreibung oder erwarteter Ausfall, Erhöhung der Risikovorsorge, auch diese wirkt sich Gewinn mindernd aus. Der Verlust ist auch deshalb entstanden, da sich die Refinanzierungskosten für die HSH Nordbank erhöht haben, d.h. die Marge (oft auch als Zinsspanne bezeichnet) aus den Geschäften sinkt.

Banken haben die Eigengeschäft einen Großteil ihres Geschäftes recht kurzfristig zu refinanzieren, da kurzfristiges Geld normalerweise recht billig ist und langfristiges recht teuer.
Dieser Zustand ist im Jahr 2008 gekippt, da nun kurzfristiges Geld sehr teuer wurde. Diese sog. inverse Zinsstrukturkurve hat diversen Banken das Genick gebrochen, zu mal sie irgendwann gar kein Geld mehr am Interbankenmarkt bekommen haben. Gleiches ist auch den Landesbanken widerfahren.
Ich werde dem Rettungspaket für die HSH Nordbank zustimmen, da ich der festen Überzeugung bin, dass dazu keine Alternative gibt. Wohlwissend, dass damit nicht alle zukünftigen Risiken ausgeschlossen sind. Hamburg lebt mit seiner Wirtschaft nun mal nicht auf einer Insel der „Glückseligen“.

Mit freundlichem Gruß

Kai Voet van Vormizeele