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Frage von Athina K. •

Kritische Frage zur Leihmutterschaft und Kommerzialisierung

Sehr geehrte Frau Post,

ich sehe die Debatte um die Legalisierung der Leihmutterschaft äußerst kritisch. Für mich ist eine Trennung zwischen "Altruismus" und kommerziellem Handel in der Praxis nicht möglich; ich sehe darin lediglich eine Vermarktung des weiblichen Körpers.

Dazu meine Fragen:

Wie stehen Sie zu dem Risiko, dass Leihmutterschaft – auch unter dem Deckmantel des Altruismus – letztlich zu einem Handel mit Frauen und Kindern führt?

Werden Sie sich für den Erhalt des strikten Verbots einsetzen, um diese Form der Kommerzialisierung zu verhindern?

Über eine klare Stellungnahme freue ich mich.

Mit freundlichen Grüßen

Athina K.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte A. K.,

Ihre Bedenken teile ich ausdrücklich. Die Unterscheidung zwischen altruistischer und kommerzieller Leihmutterschaft ist in der Praxis kaum trennscharf zu ziehen und trägt erhebliche Missbrauchsrisiken. Auch eine scheinbar uneigennützige Leihmutterschaft schafft Abhängigkeitsverhältnisse, die den weiblichen Körper instrumentalisieren und Frauen in vulnerablen Situationen besonders exponieren.

Die empirische Befundlage bestärkt diese kritische Haltung: Leihmutter-Schwangerschaften sind mit nachweislich erhöhten medizinischen Risiken verbunden, darunter häufigere Frühgeburten, Mehrlingsschwangerschaften und schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen. Eine Frau trägt diese gesundheitlichen Lasten für ein Kind, das sie von Beginn an nicht für sich selbst austrägt. Das ist ethisch kaum zu rechtfertigen.

Auch psychosozial sind Belastungen dokumentiert, insbesondere rund um die Kindesübergabe. Diese Verletzlichkeit aller Beteiligten zeigt: Das geltende Recht schützt zu Recht. § 1 Abs. 1 Nr. 7 ESchG und § 13c AdVermiG sowie § 1591 BGB, wonach ausschließlich die Geburtsmutter rechtliche Mutter ist, bilden ein kohärentes Schutzgefüge für Frauen und Kinder. Folgender Bericht stellt die Sachlage dar: https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/238402/c47cae58b5cd2f68ffbd6e4e988f920d/bericht-kommission-zur-reproduktiven-selbstbestimmung-und-fortpflanzungsmedizin-data.pdf  

Ich werde mich weiterhin an dem bereits geltenden Recht orientieren und mich stark für dieses einsetzen. Eine Legalisierung, auch hinter der Absicht altruistischen Handelns, würde die Tür für Kommerzialisierung und Ausbeutung öffnen, die sich im Nachhinein kaum noch schließen lässt. 

Freundliche Grüße
Julia Post 

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