Wie stehen Sie zu den "Reformen " ,insbesondere der Koppelung Rente und Lebensalter sowie zur Krankschreibung over zur Abschaffung des IFG?
Sehr geehrte Frau A.,
Vielen Dank für Ihre Frage.
Die angesprochenen Reformvorhaben betreffen in erster Linie die Bundespolitik.
Dennoch möchte ich Ihnen meine Einschätzung dazu gerne darlegen.
Unser Rentensystem muss auch für kommende Generationen verlässlich und finanzierbar bleiben. Die Vorschläge der Alterssicherungskommission müssen deshalb sorgfältig geprüft werden. Eine maßvolle Orientierung des Renteneintrittsalters an der steigenden Lebenserwartung halte ich grundsätzlich für diskutierbar. Sie darf aber nicht dazu führen, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Gesundheit, ihrem Beruf und ihrer Erwerbsbiografie pauschal länger arbeiten müssen. Wer jahrzehntelang körperlich oder psychisch belastende Arbeit geleistet und 45 Jahre Beiträge gezahlt hat, braucht weiterhin einen angemessenen Schutz. Längeres Arbeiten sollte ermöglicht und attraktiv gemacht werden, wenn Menschen dies freiwillig möchten, es darf jedoch kein Zwang daraus entstehen.
Die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und eine pauschale Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag sehe ich kritisch. Die telefonische Krankschreibung entlastet Arztpraxen, verhindert unnötige Ansteckungen und hat sich insbesondere bei leichteren Erkrankungen bewährt. Beschäftigte grundsätzlich unter Missbrauchsverdacht zu stellen, halte ich für falsch. Bevor bestehende Regelungen abgeschafft werden, sollte zunächst nachvollziehbar belegt werden, dass sie tatsächlich zu einem relevanten Missbrauch führen.
Reformen sind notwendig. Sie müssen jedoch sozial gerecht sein, sich auf nachvollziehbare Gründe stützen und demokratische Rechte wahren. Daran werde ich die weiteren Vorschläge messen.
Mit freundlichen Grüßen,
Julia Dworzynski

