Frage an Johannes Selle von Gbovnf Yvax bezüglich Kinder und Jugend

30. März 2017 - 08:31

Sehr geehrter Her Selle,

seit vielen Jahren machen sich im Kyffhäuserkreis und der sehr aktiven Partyszene harte Drogen breit. Diese Entwicklung beobachte ich seit über 10 Jahren und ich habe in dieser Zeit von keinem Politiker aus der Region dazu etwas gehört.
Es ist zu begrüßen, dass sich viele Menschen und Jugendliche für eine lebendige Veranstaltungs- und Partykultur engagieren. Dennoch ist der Anteil der Drogenkonsumenten spürbar und sichtbar. Dies geschieht nicht im Geheimen. Es greifen auch nicht die üblichen Mechanismen des Erwachsenwerdens (Beruf, Partnerschaft, Familie), welche vielleicht bei leichten Drogen oder Alkohol zu einem reduziertem Konsum führen. Die Abhängigkeit zieht sich quer durch alle Altersschichten und scheint toleriert zu werden.
Probleme mit Drogen wie Chrystal Meth sind ja ebenfalls eine bundesweite Problematik.
Gibt es von Ihrer Seite dazu eine konkrete Position und Agenda? Ferner würde mich interessieren, ob Ihnen bewusst ist, wie groß das Ausmaß dieser Problematik ist.

Ich freue mich auf Ihre Antwort und bin an einem weiteren Dialog sehr interessiert!

Viele Grüße
Tobias Link

Frage von Gbovnf Yvax
Antwort von Johannes Selle
20. Juni 2017 - 10:22
Zeit bis zur Antwort: 2 Monate 3 Wochen

Sehr geehrter Herr Link,

vielen Dank für Ihre Anfrage, gerne möchte ich dazu Stellung nehmen.

Sie sprechen eine besorgniserregende gesellschaftliche Entwicklung an, welche mir nicht nur als Politiker sondern auch als Vater sehr am Herzen liegt. Crystal Meth ist nicht nur im Kyffhäuserkreis auf dem Vormarsch sondern breitet sich seit einigen Jahren von Tschechien über Bayern, Sachsen, Thüringen auch nach Sachsen-Anhalt aus. Hauptgrund dafür ist, dass der Hauptwirkstoff Ephedrin kostengünstig in Tschechien hergestellt und über Polen nach Deutschland importiert wird. Laut Epidemiologischem Suchtsurvey haben 0,2 % der Erwachsenen in Deutschland in den letzten 12 Monaten Crystal Meth konsumiert. Obgleich in der Bevölkerung insgesamt nur eine geringe Prävalenz für diese Droge vorliegt, ist die Verbreitung besonders in den grenznahen Regionen spürbar. In vielen Fällen ist Cannabis die Einstiegsdroge. Nicht zuletzt deshalb, bin ich gegen eine Verharmlosung geschweige denn Legalisierung von Cannabis oder anderen Drogen.

Meine Kinder sind oft und gern ausgegangen. Durch Ihre Ausbildung in anderen Städten nehmen sie nicht mehr intensiv am Partyleben teil. Selten ist es vorgekommen, dass Eltern mir gegenüber Ihre Besorgnis äußerten. Wahrscheinlich fehlt mir der genaue Überblick bezüglich des Ausmaßes.

Die wichtigste Anlaufstelle im Kampf gegen Crystal Meth ist die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler. Ihr eigener Wahlkreis - Roth/Nürnberger Land - ebenfalls stark von dem Chrystal Meth-Problem betroffen. Sie stützt ihre Arbeit auf 4 Säulen: Prävention, Beratung/ Behandlung, Schadensminimierung und gesetzliche Regulierung. Unverzichtbar sind dabei Suchtberatungsstellen und die Polizei vor Ort. Beide können sich meistens aber nur noch den Folgen des Konsums widmen. In den letzten Jahren wurden aber auch große Anstrengungen bei der Prävention und Behandlung unternommen, unter anderem mit mehr Aufklärung an Schulen. Für eine bessere Vorbeugung müssten Polizeiinspektionen und Suchtberatungsstellen viel enger zusammenarbeiten. Das ist aber aus Gründen der Vertraulichkeit schwierig, da hier -wie auch bei Ärzten- die Schweigepflicht gilt. Dafür arbeiten bei der Strafverfolgung von Herstellern und Händlern die deutschen und tschechischen Behörden und Grenzbeamte umso enger zusammen.

Auf Initiative von Frau Mortler und dank der Unterstützung der CDU-/ CSU-Fraktion, werden jährlich 500.000 Euro zusätzlich aus dem Bundeshaushalt für die Prävention und Behandlung aufgewendet. Hinzu kommen Präventionsmaßnahmen in den Bundesländern und Kommunen, die über die Risiken aufklären. Da die Konsumenten häufig eine leistungssteigernde Wirkung und ein vermindertes Schlafbedürfnis erleben, ist Crystal Meth nicht nur in der Partyszene sondern auch bei „untypischen“ Konsumentengruppen wie beispielsweise jungen Müttern oder Berufstätigen ein Thema. Um diese Konsumenten zu erreichen, werden auch weiterhin verschiedene Maßnahmen geplant und umgesetzt. Im Jahr 2016 konnte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung gemeinsam mit der Bundesärztekammer und führenden Suchtmedizinern die weltweit erste S3-Leitlinie zur Behandlung von Metamphetamin-Abhängigkeit vorstellen. Die vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Leitlinie unterstützt die behandelnden Ärzte und Therapeuten dabei, die richtige Behandlung für Abhängige zu finden. Die Vorstellung der Leitlinie war eingebettet in ein deutsch-tschechisches Symposium zur Prävention und Behandlung der Metamphetamin-Abhängigkeit.

Es wird also nicht nur auf Ebene der Polizei sondern auch auf medizinischer Ebene kooperiert. Klar ist, dass es sich bei dem Kampf gegen die Ursachen und die Verbreitung von Crystal Meth, um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt.

Mit freundlichen Grüßen
Johannes Selle