Portrait von Helge Lindh
Helge Lindh
SPD
96 %
52 / 54 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Jens K. •

Was ist das für eine Ungerechte Zweiklassengesellschaft bei Ihrer Rentenreform?

Sehr geehrter Herr Lindth, im Zuge der Neuausrichtung der Rente soll die Fälschlicherweise "Rente mit 63" bezeichnete Möglichkeit abgeschafft werden. Wie kann es sein, dass ein Arbeiter der mit 17 Angefangen hat mit 45 Jahre arbeitet dann nach derzeiten Recht mit 62 Jahren die 45 Jahre voll hat noch bis 67 weiter arbeiten muss, ein Akademiker der bis 25 Studiert hat Theoretisch bis 70 arbeiten müsste aber mit 67 aufhören kann. Der jenige der Arbeitet wird noch bestraft muss länger Arbeiten als einer der Studiert hat. Das kann ich nicht Nachvollziehen. Hier muss dringend der Rentenkompromiss aufgebrochen werden und die Rente mit 65 erhalten bleiben. Ich kann nur hoffen, dass Sie diesem Paket nicht Zustimmen werden.

Auch Frage ich Sie, werden Sie im Zuge des längeren Arbeitens auch den Kündigungsschutz für ältere Personen erhöhen (wenn z.B. die Kräfte nachlassen und man nicht mehr kann)?

Und wenn es nicht geht werden ältere zu bBttstellern und kämpfen um eine Erwerbsminderungsrente.

Portrait von Helge Lindh
Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr K.,

 

vielen Dank für Ihr Schreiben und dafür, dass Sie Ihre Sorge so klar schildern. Ich kann gut nachvollziehen, dass die Debatte über die Zukunft der Rente für besonders langjährig Versicherte viele Menschen verunsichert – insbesondere diejenigen, die sehr früh ins Berufsleben eingestiegen sind und über Jahrzehnte Beiträge gezahlt haben.

 

Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Die verkürzte Bezeichnung „Rente mit 63“ wird der Regelung oft nicht gerecht. Für viele Menschen geht es nicht um einen frühen Ausstieg, sondern um die Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren und ab dem 65. Lebensjahr abschlagsfrei in Rente zu gehen. Wer bereits mit 17 Jahren eine Ausbildung begonnen und anschließend ohne längere Unterbrechung gearbeitet hat, kann zu diesem Zeitpunkt auf fast fünf Jahrzehnte Erwerbsarbeit zurückblicken. Eine solche Lebensleistung muss anerkannt und gewürdigt werden.

 

Ich sehe den Vorschlag der Alterssicherungskommission, die Rente für besonders langjährig Versicherte in ihrer bisherigen Form abzuschaffen, kritisch. Es wäre nicht gerecht, wenn Menschen nach 45 Beitragsjahren oder sogar deutlich längerer Berufstätigkeit nur deshalb dauerhaft Rentenabschläge hinnehmen müssten, weil sie vor Erreichen der allgemeinen Regelaltersgrenze aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Gerade für Beschäftigte, die früh angefangen haben zu arbeiten, braucht es verlässliche und faire Übergänge in den Ruhestand.

 

Zugleich stehen wir vor der Aufgabe, das Rentensystem langfristig stabil, gerecht und finanzierbar zu halten. Ohne Reformen drohen steigende Beiträge und ein sinkendes Rentenniveau. Die Empfehlungen der Alterssicherungskommission sind jedoch noch kein Gesetz. Sie bilden ein Gesamtpaket, das nun umfassend diskutiert und im parlamentarischen Verfahren sorgfältig geprüft werden muss. Für mich ist dabei maßgeblich, dass die im Koalitionsvertrag zugesagte Möglichkeit eines abschlagsfreien Renteneintritts nach 45 Beitragsjahren erhalten bleibt.

 

Die von der Kommission vorgeschlagene Regelung für langjährig Versicherte, die aus gesundheitlichen Gründen kurz vor dem Rentenalter ihren Beruf nicht mehr ausüben können, kann ein zusätzlicher notwendiger Schutz sein. Sie darf aber nicht dazu führen, dass Menschen erst eine gesundheitliche Einschränkung nachweisen müssen, um nach einem langen Arbeitsleben ohne Abschläge in Rente gehen zu können. Niemand darf darauf verwiesen werden, eine Erwerbsminderungsrente beantragen zu müssen, nur weil es keine gerechte Übergangslösung mehr gibt.

 

Für meine Fraktion und mich ist entscheidend: Wir brauchen faire und wertschätzende Regelungen für langjährig Versicherte. Wenn Veränderungen notwendig werden, müssen sie mit langfristigen Übergangsregelungen verbunden sein, damit die Planungssicherheit für Menschen wie Sie und Ihren Sohn gewahrt bleibt. Wer sein Berufsleben und seinen Übergang in den Ruhestand über Jahrzehnte plant, muss sich auf die grundlegenden Regeln unseres Rentensystems verlassen können.

 

Sehr geehrter Herr K., ich danke Ihnen nochmals für Ihre wichtige Rückmeldung. Ihr Schreiben macht deutlich, dass Rentenpolitik keine abstrakte Rechenfrage ist, sondern Fragen von Lebensleistung, Anerkennung und Planungssicherheit berührt. Ich werde Ihre Hinweise in die weiteren Beratungen einbringen und mich für faire, verlässliche und sozial gerechte Regelungen für langjährig Versicherte einsetzen.

 

Herzlichst

Helge Lindh

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Helge Lindh
Helge Lindh
SPD

Weitere Fragen an Helge Lindh