Werden Sie sich dafür einsetzen das die Rente für besonders langjährig versicherte erhalten bleibt?
Sehr geehrter Herr Ganzke,
ich heiße Thomas G. .und bin Jahrgang 1967. Ich habe bereits mit 16 Jahren angefangen zu arbeiten, durch mehrere Ausbildungen die ich durchlaufen habe und selbst finanziert habe bzw. nur geringe Ausbildungsvergütung erhalten habe wird meine Rente auch hierdurch schon geringer ausfallen. Diese Ausbildungen musste aus gesundheitlichen Gründen erflogen. Ich habe dafür nicht das Arbeitsamt um Unterstützung gebeten. Ich werde mit 62 Jahren die 45 Jahre erfüllt haben und könnte nach aktueller Rechtsprechung dann mit 45 Jahre und 48 Jahren Berufstätigkeit ohne Abschläge in die Rente gehen. Ich denke das habe ich mir schwer verdient. Maine Frage: Werden Sie sich dafür einsetzen das diese Rentenform erhalten bleibt und ich vorgezogen ohne Abschläge in Rente gehen kann?
Mit Besten Grüßen
Thomas G.
Sehr geehrter Herr G.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und dafür, dass Sie Ihre persönliche Erwerbsbiografie so offen schildern. Wer, wie Sie, schon mit 16 Jahren begonnen hat zu arbeiten, mehrere Ausbildungen durchlaufen und sich dabei weitgehend selbst über Wasser gehalten hat, hat eine beeindruckende Lebensleistung erbracht. Dass Sie sich nach so vielen Jahren Berufstätigkeit berechtigt fragen, ob Sie die Möglichkeit eines vorgezogenen, abschlagsfreien Rentenbeginns behalten, kann ich sehr gut nachvollziehen.
Zunächst ist mir wichtig, offen zu sagen: Für die gesetzliche Rentenversicherung und damit auch für die konkrete Ausgestaltung der Altersrenten ist in Deutschland in erster Linie der Bund zuständig, nicht das Land Nordrhein‑Westfalen. Entscheidungen zur „Rente mit 63“ bzw. zur abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte werden daher im Deutschen Bundestag getroffen.
Die SPD auf Bundesebene hat in ihren Programmen und Beschlüssen immer wieder deutlich gemacht, dass sie die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren erhalten will. Wer 45 Jahre lang gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, soll auch in Zukunft ohne Abschläge in Rente gehen können gerade die Menschen, die früh begonnen und körperlich oder gesundheitlich belastende Tätigkeiten ausgeübt haben, dass ist das eine wichtige Frage der Gerechtigkeit.
Gleichzeitig ist es richtig, dass unsere Gesellschaft vor der Aufgabe steht, die Finanzierung der Rente angesichts des demografischen Wandels zu sichern. Darüber wird auf Bundesebene intensiv diskutiert, etwa über einen breiteren Kreis von Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern oder zusätzliche Sicherungsinstrumente. Dabei ist mir wichtig zu betonen: Es kann nicht die einzige Antwort sein, dass alle Menschen „einfach länger arbeiten“ sollen, denn viele, gerade in körperlich belastenden Berufen oder nach gesundheitlichen Einschnitten, können das schlicht nicht. Auch das muss die Politik anerkennen.
Aus meiner Sicht muss es deshalb auch in Zukunft möglich bleiben, dass Menschen wie Sie, die sehr früh ins Berufsleben eingestiegen sind und auf 45 Versicherungsjahre kommen, abschlagsfrei in Rente gehen können. Darüber hinaus halte ich es für notwendig, dass bei besonderen Härtefällen und individuellen Lebensverläufen weiterhin Lösungen gefunden werden, die dem konkreten Einzelfall gerecht werden.
Als Abgeordnete im Landtag können wir keine Gesetze zur Rente beschließen, aber ich unterstütze die Linie der SPD, die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte zu verteidigen und Lösungen für Menschen mit langen und belastenden Erwerbsbiografien zu sichern. Ihre Schilderung bestärkt mich darin. Ihre Argumente nehme ich gerne mit in die weitere innerparteiliche und politische Diskussion.
Herzliche Grüße
Hartmut Ganzke MdL

