Frage an Hannah Neumann von Dieter Z. bezüglich Wirtschaft
Werden Sie sich als Abgeordnete im Europaparlament dafür einsetzen des Milliardengrab Heiße-Fusionsforschung zu schließen und stattdessen sich sehr schnell für die Förderung von LENR-Projekten („Kalte-Fusionsforschung“) einsetzen?
Sehr geehrter Herr Z.,
vielen Dank für Ihre Frage, die ich gern aus heutiger Perspektive beantworte. Besonders weil mein Wahlkreis auch Greifswald umfasst, einen der wichtigsten europäischen Standorte der Fusionsforschung, halte ich eine faktenbasierte und differenzierte Debatte über Energie-Forschung für wichtig.
Am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald wird mit „Wendelstein 7-X“ das weltweit größte Stellarator-Experiment betrieben. Ziel dieser Forschung ist es, die kommerzielle Stromerzeugung durch Kernfusion möglich zu machen – also Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen zu gewinnen. Die Anlage hat dabei zuletzt einen Weltrekord bei einem zentralen Parameter der Fusionsphysik erreicht, was als wichtiger Schritt auf dem Weg zu künftigen Kraftwerken gilt. Gleichzeitig bleibt sie ein Experiment; funktionsfähige Fusionskraftwerke sind weiterhin Zukunftsmusik.
Um die Klimakrise zu bewältigen, ist es weder notwendig noch vertretbar, zur Atomkraft zurückzukehren. Sie bleibt eine Hochrisikotechnologie und stellt eine weltweite existenzielle Bedrohung für Natur, Mensch und Tier dar. Deshalb setzen wir auf den vollständigen Ausstieg aus der Atomkraft und die Stilllegung aller Anlagen, die ihrer weiteren Nutzung im In- und Ausland dienen oder Material für den möglichen Bau von Atomwaffen produzieren.
Statt die Atomkraft, etwa über den Euratom-Vertrag, weiter zu privilegieren, müssen wir unsere politischen und finanziellen Anstrengungen konsequent auf den Ausbau erneuerbarer Energien richten. Sonne, Wind, Wasser, Geothermie und nachhaltige Speichertechnologien sind die tragfähige Grundlage für eine sichere, bezahlbare und klimaneutrale Energieversorgung.
Auch eine mögliche Energiegewinnung aus Kernfusion wird in den kommenden Jahrzehnten keinen wesentlichen Beitrag zur Lösung der Klimakrise leisten. Die Transformation unseres Energiesystems duldet keinen Aufschub. Entscheidend ist daher der schnelle, entschlossene Ausbau erneuerbarer Energien, verbunden mit einer klugen europäischen Vernetzung.
Mit freundlichen Grüßen
Hannah Neumann
Mitglied des Europäischen Parlaments

