Sehr geehrter Hr Dr Frömming, Zeitzeugen des Holocaust haben mit deutlichen Worten wiederholt vor der AfD gewarnt. Was bedeuten Ihnen die Mahnungen vonseiten der letzten Überlebenden der Shoah?
Margot Friedländer und Charlotte Knobloch haben - neben anderen Überlebenden - in den letzten Jahren wiederholt und in aller Deutlichkeit vor der politischen Arbeit der AfD gewarnt, haben Sie und Ihre Partei im Bundestag direkt angesprochen.
Die Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit ist ob des beispiellosen Grauens der NSDAP, deren Einordnung als “kommunistische Partei” seitens Frau Dr Weidel von Historikern als Geschichtsklitterung wahrgenommen wird, von großer Bedeutung für nachfolgende Generationen.
Nimmt Ihre Partei und nehmen Sie persönlich diese Warnungen ernst, die doch von eben jenen stammen die unmittelbar und zutiefst von dem völkischem Denken und der Rassenlehre der NSDAP getroffen wurden?
Wie gehen Sie als ehemaliger Geschichtslehrer damit um, wenn lebende Geschichte mahnt?
Was bedeutete es Ihnen, als Margot Friedländer sagte Sie sei “selbstverständlich” besorgt über die AfD und würde diese “keinen Fall wählen”, da diese “nicht menschlich” sei?
Sehr geehrter Herr H.,
vielen Dank für Ihre Frage. Wenn sich Zeitzeugen zu Wort melden, sollte dies immer dazu führen, dass wir genau zuhören. Zeitzeugen sind auch für Historiker eine wichtige Quelle, wenn auch nicht die einzige. Die Antisemitismusforschung der letzten Jahre hat gezeigt, dass es leider in allen gesellschaftlichen Milieus antisemitische Einstellungsmuster gibt. Also nicht nur in den als politisch “rechts” verorteten Milieus, sondern gerade auch im linken Bildungsbürgermilieu und auch in der Mitte der Gesellschaft.
Zur Wahrheit gehört auch dazu, dass seit der Migrationswende von 2015 durch die massive Zuwanderung aus tendenziell antisemitisch eingestellten Kulturen jüdisches Leben in Deutschland stärker gefährdet ist als jemals zuvor. Die AfD hat als einzige Partei diese Entwicklung früh kritisiert und fordert einen radikalen Kurswechsel in der Migrationspolitik — nicht allein zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland, sondern zum Schutz und zur Bewahrung unserer Gesellschaft an sich, die nur ein gewisses Maß an Zuwanderung aus kulturfremden Ländern verkraftet.
Insofern wird man dem Thema in seiner Komplexität überhaupt nicht gerecht, wenn man es auf die AfD verengt. Im Gegenteil geraten dadurch die tatsächlichen Ursachen für die Gefährdung unserer Demokratie und unsere durch das christlich-jüdische Abendland und die Aufklärung geprägte Gesellschaft aus dem Blick. Das mag von einigen auch so bezweckt sein.

