Portrait von Gabriele Triebel
Gabriele Triebel
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
100 %
14 / 14 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Anneke M. •

Das Honorar der Psychotherapeut:innen wird zum 1.4.2026 um 4,5% (!) gekürzt Was werden Sie dagegen unternehmen?

Auf Betreiben des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) hat der Erweiterte Bewertungsausschuss heute die Vergütung der ambulanten Psychotherapie um 4,5 Prozent abgewertet. Dies werden die überwiegend Psychotherapeutinnen so nicht hinnehmen. Was können Sie als Politikerin an dieser Stelle für unseren Berufsstand und die GKV-Patient:innen tun?

https://www.dptv.de/aktuelles/meldung/gkv-sv-kuerzt-mittel-fuer-die-psychotherapeutische-versorgung/

Portrait von Gabriele Triebel
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau M.,

besten Dank für Ihre Frage und ich teile Ihre Sorge – gesundheitspolitisch ist die Absenkung der psychotherapeutischen Leistungen im Hinblick auf die schon derzeit bestehenden Versorgungslücken höchst problematisch.

Es ist unverständlich, dass nach Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses ausgerechnet Psychotherapeut*innen zukünftig weniger für die Behandlung von GKV-Versicherten erhalten sollen, denn psychotherapeutische Arbeit muss adäquat finanziert werden.

Grundsätzlich sind Honorarvereinbarungen eine Angelegenheit der Selbstverwaltung und es ist richtig, dass diese nicht politisch getroffen werden. Aus diesem Grund ist eine direkte politische Einflussnahme sehr begrenzt. Dennoch setzt der Beschluss zur Absenkung psychotherapeutischer Leistungen ein falsches gesundheitspolitisches Signal!

In einer Zeit, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung stetig steigt, Wartezeiten für viele Patient*innen unzumutbar lang sind und Praxen zugleich unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, ist eine pauschale Honorarkürzung ein verheerendes Signal. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten und Fehlanreize zu Ungunsten von GKV-Versicherten entstehen, gefährdet das die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Was wir stattdessen brauchen, sind nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen. Durch vielfältige gesellschaftliche Krisen erleben wir derzeit einen Anstieg psychischer Belastungen, besonders unter Kindern und Jugendlichen. Das Hilfesystem wird der steigenden Nachfrage nach Unterstützungs- und Behandlungsbedarfen zunehmend nicht mehr gerecht und stößt schon heute an seine Kapazitätsgrenzen. Insgesamt sind die Zugänge zum Hilfesystem mit zu vielen Hürden belastet und pauschale Kürzungen werden die bestehende Fehlsteuerung und die finanzielle Schieflage innerhalb des Gesundheitssystems nicht lösen können. Es ist nicht hinzunehmen, dass viele Menschen in einer psychischen Krise monatelang auf passende Hilfe warten müssen und die Suizidzahlen weiter steigen. Alle Menschen mit Hilfebedarf sollen im Bedarfsfall niedrigschwellige Zugänge zu passgenauen psychosozialen und therapeutischen Angeboten haben. Eine neue Bedarfsplanung ist überfällig. Unser Ziel sind mehr Hilfen und weniger Stigma. Wir als grüne Landtagsfraktion setzen uns darüber hinaus für eine angemessene Finanzierung der Psychotherapeut*innen in Weiterbildung ein.

Wir werden die Situation aufmerksam begleiten und uns mit Nachdruck auf Landes- und auf Bundesebene mit den uns zur Verfügung stehenden Mittel dafür einsetzen, die Kürzung zurückzunehmen und eine angemessene Vergütung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung sicherzustellen.

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Gabriele Triebel
Gabriele Triebel
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Weitere Fragen an Gabriele Triebel