Welche Schritte planen Sie, um die integrative Medizin für alle Menschen, auch für geringverdienende, nutzbar zu machen?
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Da Sie gesundheitspolitische Aspekte ansprechen, habe ich mich für die Beantwortung mit meinem BSW-Abgeordnetenkollegen und ehemaligen Neurochirurgen Prof. Dr. Jan-Peter Warnke abgestimmt:
Ihre Frage kann mehrere Möglichkeiten der Anwendung integrativer Medizin berühren. Wir wollen daher möglichst viele Aspekte erfassen.
Zunächst zur Klärung des Ansatzes für Dritte, die Ihre Frage und meine Antwort auf Abgeordnetenwatch lesen. Die AOK schreibt dazu:
"Integrative Medizin bedeutet, den ganzen Menschen im Blick zu haben, nicht nur einzelne Symptome oder eine Diagnose. Sie verbindet die Möglichkeiten der modernen Schulmedizin mit bewährten Methoden aus der Naturheilkunde und der Komplementärmedizin. So entsteht ein Gesamtkonzept, das die Stärken beider Ansätze nutzt. Das heißt: Medikamente, Operationen und andere schulmedizinische Verfahren werden dort eingesetzt, wo sie notwendig und hilfreich sind. Ergänzt werden sie durch sichere, gut geprüfte Methoden wie Akupunktur, Ernährungsmedizin oder andere traditionelle Heilverfahren, die den Körper zusätzlich stärken und das Wohlbefinden verbessern können.
Damit das funktioniert, brauchen die behandelnden Ärzte Wissen und Kompetenz in beiden Bereichen. Besonders bei chronischen Erkrankungen, die oft lange Begleitung erfordern, oder in der Palliativmedizin, wo Lebensqualität im Vordergrund steht, ist die integrative Medizin verbreitet. In diesem Beitrag geht es deshalb um die Leitgedanken der integrativen Medizin, ihre Anwendungsgebiete und darum, worauf man achten sollte, wenn man einen passenden Arzt sucht."
https://www.deine-gesundheitswelt.de/krankheit-behandlung-und-pflege/integrative-medizin
Zu unserer Bewertung: Wir wünschen uns eine zunehmende "sektorneutrale" Medizin. D.h. ambulante, stationäre und rehabilitative Versorgung sollten aus einem Guss geplant sein. Eine solche sektorübergreifende Versorgung muss dabei bedarfsgerecht für alle Menschen ohne Berücksichtigung von gesetzlichem oder privatem Versicherungsstatus verfügbar sein. Eine sektorübergreifende Planung hätte den Vorteil, Doppelungen von Strukturen und unnötige Mehrfach-Untersuchungen zu vermeiden. Dies spart Kosten – jedoch nicht auf Kosten der Patienten.
Wenn sie die medizinisch-inhaltliche Versorgung bei Krankheit meinen, haben wir folgenden Standpunkt: eine medizinische Therapie sollte mit besonderer Betonung der sprechenden Medizin mit holistischem Ansatz, also mit Berücksichtigung von Soma und Psyche unter Betrachtung der sozialen Umstände ausgestaltet sein. Ob dabei Elemente der s.g. Schulmedizin mit Elementen alternativer Heilmethoden kombiniert werden, hängt von der Ausbildung und der Denkweise der beteiligten Ärzte ab. Dabei sollten medizinisch notwendige, vom GBA geprüfte Verfahren Anwendung finden. Eine generelle Anwendungsfreiheit aller alternativen Heilverfahren als garantierte Pflichtleistung von Kostenträgern halten wir für nicht finanzierbar und daher für unpraktikabel.
Mit freundlichen Grüßen
Fabio De Masi
P. S.: Mehr Informationen zu meiner Arbeit im EU-Parlament finden Sie in meinem Newsletter:
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