Wie stehen Sie zum Vertrauensschutz bei der Abschaffung der Rente mit 63?
Ich bin Jahrgang 1966 und werde so Gott will im Jahr 2031 das Alter von 65 erreichen.
Dann habe ich 48 Jahre ununterbrochen gearbeitet. Soll ich bis 67 Jahre arbeiten und
die 50 Jahre Vollerwerbsarbeitszeit vollmachen? Das kann doch nicht der Ernst der
Politiker im deutschen Bundestag sein…
Wäre nicht eine Staffelung möglich…? Zum Beispiel Jahrgang 1966 arbeitet bis 65 Jahre und ein Monat; Jahrgang 1967 bis 65 Jahre und zwei Monate usw. ?
Sehr geehrter Herr D.,
vielen Dank für Ihr Anliegen. Die Rentenreform gehört zu schwierigsten Reformprojekten unserer Zeit, denn der demographische Wandel stellt uns vor große Herausforderungen. Die Lebenserwartung der Menschen nimmt zu, die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhestand und zu wenig junge Menschen rücken in den Arbeitsmarkt nach. Auf immer weniger Beitragszahler kommen so immer mehr Rentnerinnen und Rentner.
Unser Ziel muss es sein, einen gerechten Ausgleich über alle gesellschaftlichen Gruppen und Generationen hinweg zu schaffen. Die Menschen in Deutschland müssen sich auch künftig auf die Rente verlassen können. Dafür werden wir tragfähige Lösungen erarbeiten. So bündelt die Bundesregierung in der Rentenreform diverse Verbesserungsoptionen, welche von der Alterssicherungskommission in ihrem jüngst vorgelegten Bericht präsentiert wurden. Dazu gehört z.B. das schwedische Modell einer zusätzlichen „gesetzlichen Kapitalrente“, welche von Beschäftigten und Arbeitgebern jeweils zur Hälfte finanziert und am Kapitalmarkt angelegt wird. So kann die gesetzliche Rente gestärkt und die positiven Effekte des Kapitalmarktes genutzt werden. Für Menschen aus rentennahen Jahrgängen wie Sie, die wenig von der neuen gesetzlichen Kapitalrente profitieren können, soll als Ausgleich eine Übergangsregelung bei der Rentenberechnung eingeführt werden.
Grundsätzlich unterstütze ich auch den Vorschlag der Rentenkommission, das Renteneintrittsalter moderat an die gestiegene Lebenserwartung zu koppeln. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Deutschen hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht und liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aktuell bei rund 83,5 Jahren bei Frauen und 79 Jahren bei Männern. Unser Ziel besteht nicht darin, Menschen länger arbeiten zu lassen, sondern ein stabiles Rentensystem zu erhalten, dass sowohl für die kommenden Genrationen finanzierbar bleibt, aber auch ebenso die Rentnerinnen und Rentner zuverlässig stützt. Heute, morgen und in der Zukunft. Schon heute beträgt der Zuschuss in die gesetzliche Rentenversicherung mehr als ein Fünftel des Bundeshaushalts. Die Alternative zu einem höheren Renteneintrittsalter wären weiter steigende Beiträge der Beschäftigten oder eine Absenkung des Rentenniveaus, was ich nicht befürworte.
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph de Vries

