Christine Denz
DIE GRÜNEN

Frage an Christine Denz von Crgre Fpuzvq bezüglich Energie

06. September 2009 - 18:16

Sehr geehrte Frau Denz,

die Grünen wollen am Ausstieg aus der Atomenergie festhalten.

Ohne Kernkraft werden doch die Lichter ausgehen - oder?

Zudem ist Atomstrom billig, und klima- und umweltfreundlich!

In der Hoffnung auf eine schlüssige Antwort
P. Schmid

Frage von Crgre Fpuzvq
Antwort von Christine Denz
08. September 2009 - 09:57
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 15 Stunden

Sehr geehrter Herr Schmid,

sorry, Ihr "Argument" ist eines von gestern. Zum Beispiel: In meinem Wahlkreis Odenwald-Tauber wurde entsprechend dem Atomkonsensvertrag das AKW Obrigheim abgeschaltet - es flackerte kein Licht und aus ging überhaupt nichts. Zum Beispiel: Die Erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse steuern heute schon ca. 17% zum Stromverbrauch bei - entgegen allen "Prognosen" der konventionellen Energiewirtschaft. Diese macht im Übrigen Riesengewinne - ohne die Strompreise zu senken! Die Grundlagen für den Boom haben wir in der rot-grünen Regierungszeit durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz geschaffen. Die erforderlichen Techniken zum Umsteig auf die Solarwirtschaft stehen zur Verfügung. Wir von Bündnis 90/Die Grünen wollen sie rationell und effektiv einsetzen. Wir wollen möglichst bis zum Jahr 2030 den 100%igen Umstieg auf die Erneuerbaren Energien erreichen.
Bis jetzt sind auf der Grundlage des EEG deutschlandweit 280.000 Arbeitsplätze geschaffen worden- solche Entwicklungen gibt es sonst nur im Gesundheitsbereich. Durch unseren "Grünen Neuen Gesellschaftsvertrag" wollen wir innerhalb der nächsten 4 Jahre 1 Million neue Arbeitsplätze schaffen - davon allein 400.000 in den Umwelt und Gesundheit. Im Übrigen: Der Neckar-Odenwald-Kreis, der ein Teil meines Wahlkreises ist und in dem ich Kreistagsmitglied und "Grüner Motor der Erneuerbaren Energien " bin, ist führend in Baden-Württemberg. Lesen Sie mal unter http://www.energymap.de/ nach: Wir erzeugen in großen und kleinen Anlagen, unter starker privatwirtschaftlicher, aber auch öffentlicher Beteiligung, bereits 33% des gesamten Strombedarfs aus erneuerbaren Energien. Der Durchschnitt liegt derzeit bei 16 - 17% (siehe oben).

Zudem ist Atomstrom billig, und klima- und umweltfreundlich!
Billig? Die Nutzung der Atomenergie ist in Deutschland seit 1950 mit über 164 Milliarden Euro subventioniert worden. Sie zahlen keine Steuer auf den Brennstoff - Verbraucher würden sich freuen, wenn sie keine Mehrwertsteuer auf Öl und Gas zahlen müssten. Die AKW-Betreiber haben kostenlos Emissionsrechte erhalten; diese "Zuwendung" führt aber nicht dazu, dass sie die Strompreise senken.
Klima- und umweltfreundlich? Atomkraftwerke emittieren zwar nicht im Betrieb CO2 - aber beim Uranabbau und dem Transport. Gesund? In zahlreichen Studien ist nachgewiesen, dass insbesondere Kinder, die im Umkreis von Atomkraftwerken leben, deutlich häufiger an Leukämie erkranken, insbesondere, wenn sie in der entsprechenden Windrichtung leben. Dazu "braucht" es keines Unfalls, es "reicht" die Dauerstrahlung im Normalbetrieb. Aber auch Erwachsene trifft es. Gehen Sie mal in die entsprechenden Ortschaften, dann werden Ihnen die Straßenzüge gezeigt, aus denen viele Menschen vorzeitig auf dem Friedhof liegen. Ich erfahre das immer wieder bei meinen Besuchen vor Ort.
Endlagerung? Das größte Problem sprechen Sie leider nicht an. Wohin soll der Atommüll? Welcher Landesteil soll das Risiko tragen? Die jahrzehntelange Erkundungsanlage Gorleben soll geschlossen werden. Dort stehen die CASTOR-Behälter von Beginn an in einer besseren Kartoffelscheune - wer da von verantwortlicher Atompolitik spricht wie z. B die CDU und die FDP, handelt in Wahrheit unverantwortlich! CDU und FDP wollen erklärtermaßen diese Politik fortsetzen. Auch die große Anti-Atom-Demonstration mit den über 50.000 Teilnehmern am vergangenen Samstag in Berlin hat - Gott sei Dank! - gezeigt, dass die Mehrheit die Atompolitik ablehnt.
Sehr geehrter Herr Schmid, ich hoffe, dass meine, dass unsere Argumente bei Ihnen auf fruchtbaren Boden fallen!

Mit freundlichen Grüßen
Christine Denz