Cem Özdemir
DIE GRÜNEN

Frage an Cem Özdemir von Zngguvnf Rpxreyr bezüglich Staat und Verwaltung

10. Dezember 2019 - 21:47

Guten Abend Herr Oezdemir,

Eine Sache beschaeftigt mich zur Zeit: Politikern wechseln das Ressort ohne Weiteres.
Seehofer ist erst Gesundheitsminister, jetzt Innenminister, Verteidigungsministerin von der Leyen wird EU-Kommissarin, Julia Kloeckner wird von der Weinprinzessin zur Landwirtschatfs- und Ernaehrungsministerin, Guenther Oettinger wird als Praesident der VDA gehandelt, Franz Muentefering ist ASB-Praesident.
Wie laesst sich das erklaeren? Haben wir es hier mit Naturtalenten zu tun?
Normalerweise macht jemand eine Ausbildung oder ein Studium, Politiker schenen jedoch problemlos fuer so unterschiedliche Anforderungen geeignet.

Ueber eine aufschlussreiche Antwort freue ich mich schon jetzt.

Zngguvnf Rpxreyr

Frage von Zngguvnf Rpxreyr
Antwort von Cem Özdemir
24. Juli 2020 - 17:53
Zeit bis zur Antwort: 7 Monate 2 Wochen

Sehr geehrter Herr Rpxreyr,

herzlichen Dank für Ihre Frage. Auch wenn ich als Politiker der Opposition natürlicherweise nicht jede bzw. jeden der von Ihnen genannten Personen für ihr/sein Ministeramt voll befähigt halte ;-), möchte ich Ihnen aber sagen, dass ich Ihre grundsätzliche Sorge nicht teile.

In der Bundesrepublik leben wir in einer repräsentativen Demokratie, das heißt, die Bürgerinnen und Bürger wählen Vertreterinnen und Vertreter, die dann als Abgeordnete wiederrum das ganze Volk vertreten. Dabei ist es völlig egal, welcher Berufsgruppe diese Personen angehören oder welche Ausbildung sie haben. Hier darf keine Vorsortierung stattfinden. Die Wählerinnen und Wähler entscheiden und das ist auch gut so.

Auch das Bundeskabinett ist in Deutschland keine Expertenkommission. Natürlich sollten Ministerinnen und Minister geeignet sein, ein Haus zu führen und die damit verbundene Verantwortung zu tragen –aber auch das ist weder abhängig von der jeweiligen Ausbildung noch vom Hintergrund. Im Gegenteil, auch hier gewinnen wir, wenn wir auch im Bundeskabinett die Vielfalt unseres Landes abbilden – und da können wir noch besser werden.

Im Übrigen wüsste ich auch nicht, wie eine Ausbildung für einen Ministerjob aussehen sollte. Unabhängig davon können wir natürlich erwarten, dass Ministerinnen und Minister sich schnell in ihr Amt einarbeiten, dieses mit der gebotenen Ernsthaftigkeit ausfüllen und dann mit aller Kraft für unsere Gesellschaft arbeiten. Nach jeder Legislaturperiode haben dann die Wählerinnen und Wähler das letzte Wort und entscheiden, wer seinen/ihren Job wie gut gemacht hat.

Mit freundlichen Grüßen
Cem Özdemir