Portrait von Brigitte Pothmer
Brigitte Pothmer
Bündnis 90/Die Grünen

Frage an Brigitte Pothmer von Naar-Xevfgva Fpuzvqg bezüglich Familie

21. März 2017 - 22:36

Sehr geehrte Frau Pothmer,

ich wohne in Hildesheim und mache mir große Sorgen um die Hebammenversorgung in Deutschland. Sicher ist Ihnen bekannt, dass der GKV-Spitzenverband plant, die Voraussetzungen für die Vergütung von Beleghebammen zu ändern. Dies würde die angespannte Lage in der klinischen Geburtshilfe noch weiter verschärfen.

Denn kommen die neuen Vergütungsregeln, werden es sich sehr viele freiberuflich arbeitende Beleghebammen nicht mehr leisten können, ihre Dienste in Kliniken anzubieten. Sie fest anzustellen, ist auch keine Lösung – denn vielerorts war die Umwandlung ins Belegsystem die letzte Rettung, um einen Kreißsaal nicht schließen zu müssen. Wie dramatisch die Lage heute schon ist, können Sie auf der „Landkarte der Unterversorgung“ und der „Landkarte der Kreißsaalschließungen“ des Deutschen Hebammenverbandes sehen ( www.unsere-hebammen.de ).

Die geplanten neuen Regeln können also nur eines bedeuten: Viele Geburtsabteilungen werden einfach schließen. Die bundesweite Versorgung mit Hebammenhilfe wird dadurch noch weiter wegbrechen. Und wenn es noch weniger Kreißsäle gibt, wie soll es dann weitergehen? Müssen Frauen künftig viele Kilometer fahren, um einen Platz in der Klinik zu ergattern? Und müssen sie dann dort, weil andere Frauen vorher angekommen sind, die Geburtshilfe selbst bezahlen? Das können Sie nicht zulassen!

Die letzten Frauen haben hier offenbar das Nachsehen. Ich wünsche keiner werdenden Mutter, dass sie die wunderbare Zeit von Schwangerschaft und Geburt mit Angst darüber zubringen muss, wie, wo und mit wessen Hilfe sie ihr Kind bekommt. Das Beleghebammensystem darf nicht so stark eingeschränkt werden, wie es aktuell geplant ist. Wir brauchen unsere Hebammen! Ich fordere Sie daher auf, sich für das Thema einzusetzen. Bitte teilen Sie mir mit, was Sie für die klinische Geburtshilfe tun werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Anne Schmidt

Frage von Naar-Xevfgva Fpuzvqg
Antwort von Brigitte Pothmer
23. März 2017 - 07:25
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 8 Stunden

Sehr geehrte Frau Schmidt,
haben Sie vielen Dank für Ihre freundliche Mail. Ich teile Ihre Sorgen um die Situation in der Geburtshilfe voll und ganz. Denn auch bei uns in der Region Hildesheim gehen wir einer drohenden Unterversorgung mit Hebammen-Leistungen entgegen. In einem gemeinsamen Pressegespräch mit drei Frauen aus der Praxis habe ich kürzlich auf genau dieses Problem aufmerksam gemacht. Sowohl die HAZ als auch der Kehrwieder, die Leine-Deister-Zeitung und das Online-Portal City Today haben ausführlich berichtet. Wenn Sie mögen, finden Sie den "Pressespiegel" zu dem Gespräch auf meiner Webseite unter:

http://www.pothmer.de/meine-region/wahlkreis/pressegespraech-hebammen.html

Ziel meiner Fraktion ist die bestmögliche Versorgung von Familien vor, bei und nach der Geburt – egal ob sie zuhause, ambulant oder stationär entbinden möchten. Die Grünen im Bundestag haben sich darum in den vergangenen Legislaturperioden immer wieder für die Belange der Hebammen starkgemacht. Wir wollen politisch gute Rahmenbedingungen schaffen, damit mehr Frauen und Männer den faszinierenden Beruf rund um den Start ins Leben ergreifen. Denn es ist erfreulich, dass die Zahl der Geburten steigt. Für mehr Geburten brauchen wir aber auch mehr gut ausgebildete Hebammen. Doch die Entwicklung läuft in eine andere Richtung. Das muss sich dringend ändern.
Eine wichtige Voraussetzung ist, dass das Problem der steigenden Haftpflichtprämien endlich dauerhaft gelöst wird. Wir schlagen dafür eine Haftpflichtversicherung für alle Gesundheitsberufe vor, angelehnt an die Prinzipien der Unfallversicherung. Für Hebammen in Kreißsälen muss darüber hinaus ein bundesweit verbindliches Personalbemessungsinstrument entwickelt werden, das den tatsächlichen Arbeitsaufwand ermittelt. Alle Hebammen, sowohl die angestellten wie die selbständigen, müssen angemessen vergütet werden. Zusätzlich müssen Anreize entwickelt werden, damit Hebammen auch in unterversorgten Regionen tätig werden, insbesondere in der Vor- und Nachsorge.
Ich hoffe, dass ich Ihnen unsere grüne Position verständlich machen konnte und verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Brigitte Pothmer