Bernd Lucke
Liberal-Konservative Reformer

Frage an Bernd Lucke von Jbystnat Fpuznynaq

18. März 2018 - 10:49

Sehr geehrter Herr Professor Lucke,
kennen Sie nicht auch jemanden, der pro Tag 1 Milliarde Euro (vor kurzem noch 2 Milliarden und davor
fast 3 Milliarden) ausgibt - und alles für ein riesiges Schnellballsystem (z.B. Refinanzierung von Anleihen,
die nie zurückgezahlt werden können, selbst von Deutschland nicht und schon gar nicht von Italien oder
Frankreich) ? Warum wird dieses Thema dermaßen totgeschwiegen? Nur weil es sich um Billionen handelt
und den deutschen Horizont übersteigen?
Beste Grüße
Wolfg. Fpuznynaq

Frage von Jbystnat Fpuznynaq
Antwort von Bernd Lucke
19. März 2018 - 15:38
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 4 Stunden

Sehr geehrter Herr Schmaland,

das Bild des Schneeballsystems finde ich nicht passend, wenn Sie sich auf die Anleihekäufe der EZB beziehen. Schließlich müssen Schneeballsysteme unweigerlich an ihr Ende kommen, wenn sich nicht mehr genügend neue Teilnehmer finden. Die EZB aber kann unbegrenzt jeden Geldbetrag der Welt drucken. Solange ihr Ziel der Preisniveaustabilität gewährleistet ist, sogar ohne dabei ihr Mandat zu verletzen.

Das heißt aber nicht, dass von den massenhaften Anleihekäufen keine Gefahren ausgehen. Im Gegenteil: Kapital wird dadurch fehlgelenkt, Blasen werden aufgepumpt, Anleihemärkte verlieren ihre disziplinierende Wirkung auf Staaten und es werden Reformen verschleppt.

Warum wird dieses Thema totgeschwiegen? Die naheliegendste Antwort ist wahrscheinlich: weil es funktioniert – zumindest oberflächlich. Durch die ultra-expansive Geldpolitik wurde ein kleines konjunkturelles Strohfeuer entzündet. Die höheren Wachstumsraten und sinkenden Arbeitslosenquoten lassen den Anschein erwecken, dass die Krise gelöst ist. In Wahrheit ist sie nur mit sehr viel Geld ruhiggestellt. Die grundsätzlichen Probleme sind aber nicht gelöst. Das erkennt man z. B. an den nach wie vor horrenden Arbeitslosenquoten, der hohen Staatsverschuldung (die in allen Krisenstaaten mit Ausnahme von Irland höher liegt als zu Beginn der Krise) oder den TARGET2-Salden, die immer neue Rekordhöhen erklimmen.

Der Eurozone ergeht es wie einem Schwerverletzten, dessen Schmerzen mit Morphin ruhiggestellt sind. Das heißt aber lange nicht, dass er dabei ist zu gesunden. Sobald die Krise wieder ausbricht, werden auch die Medien wieder häufiger darüber berichten. Dann wird auch den deutschen Bürgern wieder bewusst(er) werden, wie viele ihrer hart erarbeiteten Steuergelder im Feuer stehen.

Mit freundlichen Grüße,
Bernd Lucke