Angesichts des demografischen Wandels wird oft vor der Rentenlücke gewarnt. Warum wird dabei die massive Zunahme der Arbeitsproduktivität pro Kopf bei der Finanzierung ignoriert?
Sehr geehrter Herr Mayr,
in der Rentendebatte wird fast nur auf das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern verwiesen. Dabei bleibt ein entscheidender Faktor unberücksichtigt: die massive Steigerung der Arbeitsproduktivität durch technologischen Fortschritt.
Ein Arbeitnehmer erwirtschaftet heute in derselben Zeit ein Vielfaches dessen, was ein Beschäftigter vor 40 Jahren leistete. Die Wertschöpfung pro Kopf ist enorm gestiegen, während das Rentenniveau dennoch unter Druck steht. Wenn wir den Lebensstandard sichern wollen, ist die reine Kopfzahl der Erwerbstätigen keine aussagekräftige Messgröße für die Finanzierbarkeit mehr.
Warum fokussiert sich die Politik vorrangig auf Rentenkürzungen oder eine Erhöhung des Eintrittsalters, statt die gestiegene Produktivität und Kapitalerträge stärker zur Finanzierung heranzuziehen? Welche konkreten Konzepte verfolgen Sie, um die enormen Produktivitätsgewinne der letzten Jahrzehnte direkt zur Stabilisierung des Rentenniveaus zu nutzen?

