Lassen die Schulen in Bayern Eltern mit schlecht konfigurierten Schulgeräten (iPads) alleine im Regen stehen?
Sehr geehrte Frau Stolz,
als Vater mehrerer Kinder habe ich wiederholt wahrgenommen, dass nach Einführung sogenannter iPad-Klassen der Notendurchschnitt und die Leistungsfähigkeit in der Klasse deutlich abgenommen haben. Hintergrund ist offensichtlich die permanente Ablenkung durch unzureichend konfigurierte Geräte. Statt einen dauerhaften Inhaltsfilter einzurichten, der wirksam eine missbräuchliche Internetnutzung durch Kinder in der Pubertät verhindert, wurde ein solcher nur auf Seiten der Schulhardware aktiviert. Sobald sich die Kinder beispielsweise bei einem privaten Hotspot einwählen, können sie mit den Schulgeräten frei surfen. Dies gilt auch für die Freizeit. Aufgrund der Schulsoftware greifen hier auch die normalerweise auf iPads verfügbaren Beschränkungsmöglichkeiten von Apple nicht mehr. Von Seiten der Schule wird auf die Verantwortung der Eltern verwiesen - diese können die Konfiguration aber nicht ändern. Werden die Eltern hier von der Schule im Regen stehen gelassen?
Sehr geehrter Herr B.,
Vielen Dank für Ihre Frage!
Den bayerischen Schulen steht für die Aufgabe im Bereich der schulischen Medienbildung ein umfangreiches Unterstützungsangebot aus Fortbildungen, Materialien und Beratungsstrukturen zur Verfügung, das fortlaufend aktualisiert und erweitert wird. Exemplarisch sollen hier einige Angebote genannt werden:
- Schulartspezifische Konzepte zum Lernen mit mobilen Endgeräten: Je nach Schulart sind verschiedene Konzepte beim Lernen mit mobilen Endgeräten relevant, die die Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler sowie schulartspezifische Strukturen berücksichtigen. Die bereitgestellten schulartspezifischen Praxisleitfäden zeigen hierbei Leitlinien (s. https://mebis.bycs.de/schuledigital).
- Effektive Klassenführung als Basis für einen guten Unterricht in der digitalen Welt: Die Basis für einen zielgerichteten und lernförderlichen Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist eine effektive Klassenführung. Schulen stehen hierzu umfangreiche Informationsmaterialien und praktische Tipps zur Verfügung: Klassenführung beim Unterrichten mit mobilen Endgeräten | mebis Magazin
- Sofort einsetzbare Unterrichtsmaterialien zur Medienerziehung: Für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang der Schülerinnen und Schülern mit mobilen Endgeräten, Social Media und KI hat das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) Unterrichtsmaterialien im Rahmen des „digitalkompass.schule“ (https://www.isb.bayern.de/schuledigital/digitalkompassschule/) entwickelt. Dieser thematisiert auch Regeln im Umgang mit digitalen Endgeräten.
- Angebote zu technischen Unterstützungsmöglichkeiten: Um der Gefahr von Ablenkungen durch digitale Geräte, die im Unterricht zu Lernzwecken genutzt werden, zu begegnen, kann neben geeigneten medienerzieherischen und organisatorischen Maßnahmen die Einbindung der Geräte in ein schulisches Mobile-Device-Management-System (MDM) und auch die Verwendung von Classroom-Management-Systemen als technische Unterstützung sinnvoll sein.
- Beratung und Unterstützung: Mit der „Beratung digitale Bildung in Bayern“ stehen insgesamt rund 180 hochqualifizierte Beraterinnen und Berater zur Begleitung der einzelnen Schulen bei der Medienkonzeptarbeit, Koordination der Fortbildungsbedarfe und Fortbildung der Lehrkräfte zur Seite. Sie richten Informationsveranstaltungen für Erziehungsberechtigte und Lehrkräfte zu medienpädagogischen und informationstechnischen Themen aus, erstellen Beratungsmaterialien und Konzepte für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht.
- Fortbildungsangebot für Lehrkräfte: Auf allen Ebenen der Staatlichen Lehrerfortbildung – zentral an der Akademie für Lehrer-fortbildung und Personalführung (ALP) Dillingen, regional im Bereich der Ministerialbeauftragten und Regierungen (RLFB) sowie lokal im Bereich der Staatlichen Schulämter – existiert seit Jahren ein breites bedarfs- und zielgruppengerechtes Angebot an Veranstaltungen zum Themenfeld „Digitale Bildung“, das sukzessive weiter ausgebaut wird.
- Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule: Einen besonderen Fokus legt das Kultusministerium auch auf die Zusammenarbeit von Schule und Elternhäusern in medienpädagogischen Fragen. Erziehungsberechtigte können bereits auf ein umfassendes Informationspaket mit konkreten Handlungstipps u. a. zum Thema Soziale Medien zugreifen (https://mebis.bycs.de/beitrag/social-media-eltern). Die Informationen umfassen auch Hinweise zum Jugendschutz und zu Sicherheitseinstellungen (https://mebis.bycs.de/beitrag/jugendschutz_und_sicherheitseinstellungen-eltern ) und liegen in mehreren Sprachen sowie leichter Sprache vor. Kostenfreie Online-Informationsveranstaltungen, durchgeführt vom Referentennetzwerk der BLM Stiftung Medienpädagogik Bayern, bieten Erziehungsberechtigten Unterstützung bei Fragen der altersgerechten Medienerziehung. Die Eltern erhalten konkrete Tipps, wie sie ihr Kind im Umgang mit Medien begleiten und fördern können.
Das VOTUM des Beraterkreises zur IT-Ausstattung von Schulen gibt Empfehlungen mit praxisorientierten Hinweisen zum Einsatz von MDM-Sys-
temen. Die aktuelle Ausgabe von 2025 informiert zudem über den Einsatz von Classroom-Management-Systemen (s. https://mebis.bycs.de/beitrag/votum).
Den Schulen und Schulaufwandträgern werden ferner Checklisten zum sicheren Einsatz dieser Systeme, Muster für Informationsschreiben an Eltern,
Schülerinnen und Schüler sowie Vorlagen für Einwilligungserklärungen zur Verfügung gestellt (s. https://www.km.bayern.de/gestalten/digitalisierung/datensicherheit/mobile-device-management sowie https://www.km.bayern.de/gestalten/digitalisierung/datensicherheit/classroom-management).
Mit freundlichen Grüßen
Anna Stolz

