Sehr geehrte Frau Quast, was planen Sie und Ihre Partei konkret, den Fluglärm in Lemsahl-Mellingstedt spürbar zu reduzieren? Mit freundlichen Grüßen, Christian W.
Sehr geehrter Herr W.,
vielen Dank für Ihre Frage, die mich über Abgeordnetenwatch erreicht hat. Die Antwort hat etwas länger gedauert, weil hierfür einige Recherchen notwendig waren.
Dass der Fluglärm eine Belastung für die Menschen in den nördlichen Walddörfern ist, kann ich nachvollziehen, da ich den größten Teil meines Lebens in Duvenstedt gelebt habe. Allerdings wird es bei einem Stadtflughafen, der wirtschaftlich wichtig ist für unsere Stadt, nicht möglich sein, diesen komplett abzuschaffen. Die Entscheidung für die Lage des Flughafens in der Stadt wurde vor langer Zeit getroffen und war aus heutiger Zeit sicherlich ein Fehler. Wir arbeiten jedoch ständig mit unterschiedlichen Maßnahmen daran, um die Folgen für die Bevölkerung abzumildern. Diese zeigen auch ihre Wirkung.
Laut dem neuen Jahresbericht der Fluglärmschutzbeauftragten (FLSB) für 2025 ist die Zahl der nächtlichen Verspätungen durch gezielte Maßnahmen weiter gesenkt worden. Insgesamt 756 Flüge nach 23:00 Uhr gab es am Hamburger Airport im vergangenen Jahr. Gegenüber dem Vorjahr 2024 mit 987 Flügen ist dies eine Reduzierung um 23 Prozent. Vor allem direkte Gespräche und das Einwirken auf die Fluggesellschaften führten zu diesem positiven Trend, der sich bislang auch 2026 fortsetzt: Bis heute gab es dieses Jahr 569 Verspätungen, 2025 waren bis zu diesem Zeitpunkt 601 verspätete Flüge.
Der erfreuliche Rückgang der Verspätungen hat zum großen Teil mit verbesserten Flugplanungen der Fluggesellschaften zu tun. Zu Verspätungen dagegen führten großräumige Schlechtwetterlagen mit in Deutschland und Europa im Sommer teils massiven Regenfällen und Gewittern sowie umfangreiche Waldbrände in Spanien und Frankreich.
Auch der Einsatz von Flugzeugen der neuesten Generation, etwa der Airbus A320 Neo oder Boeing 737 Max verursachen deutlich weniger Geräusche. In Hamburg lag der Anteil dieser Flugzeuge am Flugverkehr 2025 bei etwa 23 Prozent, die Tendenz ist steigend.
Dennoch hat unser Einfluss auf den Flugbetrieb Grenzen. Ein Thema, welches insbesondere in Lemsahl und Bergstedt zu vermehrtem Lärm führt, ist das vorzeitige Verlassen der Flugzeuge der Abflugstrecke und die Überquerung des Hamburger Stadtgebietes. Von den Anwohner:innen werden diese Abweichungen von der Startstrecke „Kurzabflug“ genannt, im Fachjargon heißen Sie „Einzelfreigaben“. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) entlässt Richtung Norderstedt startende Flugzeuge bei Erreichen von 5000 Fuß Flughöhe (ca. 1.500 m) von der offiziellen Abflugstrecke, so dass diese nicht in dem Bogen der offiziellen Abflugstrecke um Hamburg herum fliegen müssen, sondern direkt über dem Stadtgebiet abkürzen. Die Stadt Hamburg kann das leider nicht ändern – die DFS untersteht dem Bundes-Verkehrsministerium. In der Fluglärmschutz-Kommission gab es mehrere Vorstöße, die Entscheidungshöhe für die Erteilung von „Einzelfreigaben“ auf 10.000 Fuß (3.000 m) anzuheben – diesem Vorschlag mochte die DFS aber nur für die Nachtzeit folgen (FLSK-Beschlüsse sind für die Luftfahrtbehörden nicht bindend).
Der Flughafen hat als die Beschwerdelage vor einigen Jahren besonders hoch war, Fluglärmmessungen bei Betroffenen in den Walddörfern durchgeführt. Die ermittelten Werte waren vergleichsweise niedrig – kein Vergleich zu dem Fluglärm direkt unter der An- und Abflugschneise. Da es in den Walddörfern aber sonst keine relevanten Lärmquellen (wie Autoverkehr etc.) gibt, fallen diese Überflüge besonders auf.
Sollten Sie an einem Austausch zu dem Thema interessiert sein, möchte ich Sie auf den Bürgerdialog hinweisen, zu dem die Fluglärmschutzkommission für den Flughafen Hamburg alle interessierten Bürgerinnen und Bürger einlädt.
Er findet am Mittwoch, 11. November 2026, von 18:00 bis 20:00 Uhr m Landhaus Schadendorf, Kieler Straße 34 in 25474 Hasloh statt.
Darüber hinaus erhalten Sie aktuelle Informationen zum Fluglärmschutz sowie den Jahresbericht der Fluglärmschutzbeauftragten für 2025 finden Sie hier: Fluglärmschutz - hamburg.de.
Auch wenn diese Antworten für von Fluglärm direkt Betroffene nicht zufriedenstellend sind, weil das Problem sich mit unserem Satdtflughafen nicht abschließend lösen lässt,
verbleibe ich mit herzlichen Grüßen!
Anja Quast

