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Wolfgang Methling
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Frage von Matthias L. •

Frage an Wolfgang Methling von Matthias L. bezüglich Landwirtschaft und Ernährung

Sehr geehrter Herr Methling,

Sie haben sicher davon gelesen, dass in Deutschland gentechnisch veränderter Reis in Lebensmittelreis gefunden wurde. Dabei handelt es sich um Reis aus den USA und auch aus China. Beide Sorten sind bisher nirgends als Nahrungsmittel zugelassen, der in China angebaute (und u.a. in deutschen Einkaufsregalen gefundene) Reis hatte offensichtlich noch nicht enimal die Reife für einen Freilandversuch. Ganz davon abgesehen, dass wir eine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittelbestandteile haben, ist es ja so, dass ca. zwei Drittel der Menschen in unserem Land Gentechnik im Essen ablehnen.
Diese Fälle zeigen aber, dass man nichts auf die Versprechen der Beteiligten Unternehmen und Behörden geben kann und dass es für die Verbraucher keine Sicherheit gibt, so lange gvo-Pflanzen angebaut werden.

Warum fördert das Land M-V massiv die Gentechnik, während gleichzeitig die Förderung des ökologischen Landbaus ausgesetzt wurde? Wäre nicht eine andere Zielstellung für das entsprechende Institut der Uni Rostock und das Agrobiotechnikum in Lüsewitz angemessener, nämlich die Erforschung und Nutzbarmachung alter Kulturpflanzen als Nahrungs- und Rohstoffpflanzen?

Die Erfahrungen in Kanada zeigen, dass es nach 10 Jahren Anbau von gv-Raps eine massive Auskreuzung in verwandte Wildarten (Ackersenf, Hederich) und auch in konventionelle Rapssorten gibt. Faktisch ist es so, dass es dort keine Rapsbestände mehr gibt, in denen sich nicht die veränderten Gensequenzen finden lassen. Sollte uns das nicht zu denken geben? Müssen wir dieselben Fehler auch machen?
Selbst die EU-Kommission hat in einem Papier zu diesem Thema an die WTO festgehalten, dass keines der Versprechen der Saatgutkonzerne eingelöst wurde, dass statt dessen eine Reihe von ökologischen Problemen bereits jetzt zu Tage treten (z.B. höherer Pestizideinsatz, Toxinansammlung im Boden usw.).

Vielen Dank für Ihre Stellungnahme zum Thema
Matthias Lissner

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Antwort von
DIE LINKE

Sehr geehrter Herr Lissner,

wie Sie halte ich die Anwendung der Gentechnik weder für notwendig noch für wünschenswert. Die Gentechnik ist ein Intensivierungsfaktor, der die Abhängigkeit des Landwirtes von Saatgutkonzernen erhöhen wird. Angesichts der politisch-ökonomischen Rahmenbedingungen ist die Anwendung der Gentechnik scheinbar unumkehrbar. Die Natur kann aber nicht beliebig manipuliert oder gentechnisch konstruiert werden. Darum gehört die Gentechnologie zu den typischen Risikotechnologien, bei denen sich Nebenwirkungen erst mittel- und langfristig manifestieren. Die Linkspartei.PDS teilt deshalb die Skepsis von Landwirten und Verbrauchern gegenüber gentechnisch verändertem Saatgut und Futtermitteln sowie Nahrungsmitteln und fordert eine Kennzeichnungspflicht sowie die Einhaltung von möglichst niedrigen Grenzwerten (0,1 %) für gentechnische Beimischungen/Verunreinigungen. Besonders wichtig ist uns die strenge Reinhaltung des Saatgutes, denn nur so kann eine schleichende Kontaminierung vieler Flächen verhindert werden.

Als Umweltminister habe ich mich stets für die Schaffung gentechnikfreier Regionen ausgesprochen. Und wichtig ist mir auch, dass der Verbraucher jederzeit die Wahl zwischen natürlichen und gentechnisch veränderten Nahrungs- und Genussmitteln haben muss. Das setzt ein breites Angebot an entsprechenden Lebensmitteln voraus. Babynahrung und Milch dürfen jedoch keinerlei transgene Inhaltsstoffe enthalten.

Nach meiner Meinung sollte statt der Nutzung neuer gentechnischer Methoden die traditionelle Züchtung und Züchtungsforschung auf hohem Niveau erhalten und weiterentwickelt werden. Auch wenn Pflanzen eingesetzt werden, die gegen Schaderreger und Pflanzenschutzmittel resistent sind, darf es nicht zu einer Vernachlässigung bewährter Grundsätze der guten fachlichen Praxis (Fruchtfolgen, mechanische Unkrautbekämpfung, Einhaltung vorgeschriebener Anwendungskonzentrationen, Förderung von Nützlingen u. a.) kommen.

Das vom Bundestag beschlossene Gentechnik-Gesetzt ist wichtig für die Begrenzung von Risiken und die Erhöhung der Sicherheit, dennoch halte ich es für unbefriedigend. Die Freistellung von Anwendern von Haftungs- und Entschädigungsansprüchen wälzt das Risiko auf benachbarte konventionelle oder ökologische Betriebe ab. Ich setze mich deshalb für die Einrichtung eines Fonds ein, der von der Saatgut und Futtermittel herstellenden Industrie und nicht aus Steuermitteln gespeist wird.

Was nun die Förderpolitik betrifft, so wird sie in einer Koalition, einer Landesregierung durch Mehrheiten entschieden. Über die Förderung der Forschung zur Gentechnik entscheiden in M-V das Landwirtschafts-, das Bildungs- und das Wirtschaftsministerium.

Ich unterstütze Ihre Auffassung, dass das Institut für Agrobiotechnologie der Universität Rostock und das Agrobiotechnikum in Groß Lüsewitz sich mit der Erforschung und Nutzbarmachung günstiger Eigenschaften alter Kulturpflanzen beschäftigen sollten.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Methling