Auf die Frage zur Kopplung des Rententeintrittsalters an die Lebenserwartung behaupteten Sie, dass wir "erfreulicherweise auch länger gesund" blieben. Können Sie Ihre Belege für diese Aussage teilen?
Die steigende Lebenserwartung geht nicht automatisch mit mehr gesunden Lebensjahren einher. Ein wachsender Teil der gewonnenen Lebenszeit wird mit Krankheit u. Einschränkungen verbracht. Laut WHO stieg von 2000–2019 die Lebenserwartung ohne vergleichbaren Anstieg der gesunden Lebensjahre (Garmany & Terzic, 2024). Eine Kopplung von Renteneintritt an Lebenserwartung ignoriert dies und kann dazu führen, dass Menschen trotz gesundheitlicher Einschränkungen länger arbeiten müssen. Das erhöht individuelle Belastung und verschiebt potenziell Kosten in das Sozial- u. Gesundheitssystem (z.B. Krankmeldungen, Erwerbsminderung, gesundheitl. Folgeschäden). Politische Entscheidungen sollten sich stärker an realer Erwerbsfähigkeit und Lebensrealität orientieren. Menschen sollten nicht aus finanzieller Notwendigkeit bis an die Grenzen ihrer gesundheitlichen Leistungsfähigkeit arbeiten müssen.
Garmany, A., & Terzic, A. (2024). JAMA Network Open, 7(12). https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2024.50241

