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Tayfun Tok
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Frage von Sören S. •

Sehr geehrter Herr Tok, wie stehen Sie zur geplanten Kopplung des Renteneintrittalters an die Lebenserwartung?

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrter Herr S.,

vielen Dank für Ihre Frage zur geplanten Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Gerne antworte ich Ihnen als Landtagsabgeordneter auf Ihre bundespolitische Frage.

Als Gesellschaft müssen wir uns gemeinsam fragen, wie wir eine Lösung für eine Rentenreform finden. Im Grundsatz halte ich den Gedanken hinter der Kopplung für richtig. Die Lebenserwartung steigt, und es kommen weniger Beitragszahlende nach. Wer so tut, als ließe sich das ignorieren, verschiebt die Rechnung nur auf die Jüngeren über höhere Beiträge oder auf alle über ein sinkendes Rentenniveau. Wenn wir länger leben, halte ich es für vertretbar, einen Teil der gewonnenen Jahre der Erwerbsphase zuzurechnen und einen Teil dem Ruhestand.

Entscheidend ist für mich aber, wie das geschieht. Die Lebenserwartung ist ein Durchschnittswert, und sie ist sehr ungleich verteilt. Wer körperlich schwer arbeitet, im Schichtdienst oder in der Pflege, ist früher gesundheitlich eingeschränkt und lebt statistisch kürzer. Und wer nach der Schule direkt in die Ausbildung geht, hat deutlich mehr Beitragsjahre hinter sich als jemand, der nach dem Studium eingestiegen ist.

Die Alterssicherungskommission geht hier einen anderen Weg: Sie empfiehlt, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen und den vorzeitigen Zugang künftig nur noch über Abschläge oder eine gesundheitliche Härtefallregelung zu ermöglichen. An diesem Punkt sehe ich es anders. Wer 45 Jahre eingezahlt hat, soll nicht erst krank werden müssen, um früher gehen zu dürfen. Die Dauer der Einzahlung und die Schwere der geleisteten Arbeit müssen sich stärker im Rentenzugang niederschlagen. Eine Kopplung kann aus meiner Sicht nur funktionieren, wenn sie mit einer echten Differenzierung nach Berufsgruppen und Beitragsjahren einhergeht.

Dazu gehört auch, worüber zu wenig geredet wird: Prävention, Arbeitsschutz und Rehabilitation. Wenn Menschen länger arbeiten sollen, muss dafür gesorgt werden, dass sie es auch können.

Außerdem darf die Debatte nicht auf das Eintrittsalter beschränkt bleiben. Genauso wichtig ist, das System auf eine breitere Grundlage zu stellen. Die Kommission empfiehlt, Abgeordnete und Selbstständige ohne eigene Absicherung verpflichtend einzubeziehen und perspektivisch auch Beamtinnen und Beamte. Diesen Weg halte ich für richtig.

Wie es auch an vielen Küchentischen oder am gemeinsamen Stammtisch passiert, diskutiert auch meine Partei intensiv, wie eine gerechte Lösung aussehen könnte. 

Einen Beschluss fassen wir dazu nicht nebenbei. Er ist für den Bundesparteitag im Dezember vorgesehen. Bei einem Thema, das die Lebensplanung von Millionen Menschen betrifft, halte ich das für richtig.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Tayfun Tok

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