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Susan Sziborra-Seidlitz
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Christoph S. •

Ist in dünn besiedelten Gebieten Schulpflicht bei schlechtem ÖPNV noch technisch sinnvoll?

Sehr geehrte Frau Sziborra-Seidlitz

bei schlechtem ÖPNV, insbesondere bei Ausfall der Bahn, öfter verpassten Anschlüssen, schlecht dokumentierten tatsächlichen Fahrtzeiten verbringen die Kinder und Jugendlichen zu viel Zeit unterwegs. Das wirkt dann nicht mehr als Schulpflicht sondern als Pflicht unterwegs zu leiden. Da erscheint Schule im Homeoffice oder das selbstständige Lernen anhand von kuratierten Lernvideos viel effektiver.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Vielen Dank für Ihre Frage. 

Ich verstehe den Punkt sehr gut: Wenn Kinder und Jugendliche morgens sehr lange unterwegs sind, Anschlüsse verpassen oder wegen Ausfällen unzuverlässig zur Schule kommen, ist das für sie und ihre Familien eine echte Belastung. Die Antwort darauf darf aber nicht sein, die Schulpflicht grundsätzlich infrage zu stellen. Die Antwort muss sein, Schulwege zu verkürzen, den Schülerverkehr zu verbessern und Schulen im ländlichen Raum zu erhalten.

Schule ist mehr als Unterrichtsstoff. Kinder lernen dort nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie erleben Gemeinschaft, Konflikte, Freundschaften, andere Lebensrealitäten, Demokratie und soziale Teilhabe. Gerade deshalb schützt die Schulpflicht das Recht jedes Kindes auf Bildung. Und das unabhängig vom Wohnort, vom Geldbeutel der Eltern oder davon, wie viel Unterstützung zu Hause möglich ist.

Gleichzeitig haben Sie recht: Schlechter ÖPNV darf nicht auf dem Rücken von Kindern ausgetragen werden. Wir Grüne wollen deshalb kleine Grundschulen in ländlichen Räumen erhalten, kurze Schulwege sichern und einen Sonderstatus „Dorfgrundschule“ schaffen. Außerdem setzen wir uns für bessere Busverbindungen, dichtere Taktung im ÖPNV, verlässlichere Anschlüsse und ein kostenloses Deutschlandticket für Schüler*innen ein.
Digitale Lernangebote, kuratierte Lernvideos und selbstständiges Arbeiten können den Unterricht sinnvoll ergänzen und sind insbesondere wertvoll, damit Kinder digitale Kompetenzen und selbstständiges Lernen üben. Sie können auch helfen, wenn Bus oder Bahn oder eben die Lehrkraft kurzfristig ausfallen. Aber sie ersetzen nicht dauerhaft den gemeinsamen Lernort Schule. Unser Ziel ist deshalb: Schulpflicht und Präsenzschule erhalten, digitale Möglichkeiten klug nutzen und die Rahmenbedingungen so verbessern, dass Kinder auf dem Land gut und verlässlich zur Schule kommen.

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