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Simone Borchardt
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Frage von Johanna B. •

Wäre eine zwingende und prominente Auszeichnung von Kalorien nicht sinnvoller als beispielsweise eine Steuer auf Softdrinks?

Ich frage mich schon seit Jahren warum beispielsweise beim Bäcker in der Auslage unter den Preisen süßer Teilchen nicht auch die durchschnittlichen Kalorien pro Teilchen ausgeschildert werden.

Mit einer zwingenden und prominent angebrachten Auszeichnung von Kalorien könnte jeder seinen Tagesbedarf viel besser verfolgen und das würde mit Sicherheit mehr für die Gesundheit und gegen Adipositas wirken als eine Steuer auf Softdrinks.

Wichtig wäre, dass die durchschnittlichen Kalorien nicht pro Gramm, sondern pro Stück, pro Falsche, pro Eiskugel oder pro Gericht ausgezeichnet werden.

Wenn wir auswärts essen haben wir uns das schon so oft gewünscht und ich denke es wäre für unsere Gesellschaft wirklich ein enormer Mehrwert. Denn oftmals ist dieser Wert schlichtweg nicht vorhanden, nur über Umwege zugänglich oder nur umständlich selbst zu berechnen.

Was meinen sie, wäre eine zwingende und vor allem prominente Auszeichnung von Kalorien in Fachgeschäften und der Gastronomie nicht sinnvoller?

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Antwort von CDU

Ich teile Ihren Grundgedanken ausdrücklich: Wer bewusste Entscheidungen treffen soll, braucht klare und verständliche Informationen. Gerade bei Lebensmitteln, die unterwegs, in der Bäckerei, im Café oder im Restaurant gekauft werden, ist es oft schwer einzuschätzen, wie viele Kalorien tatsächlich enthalten sind. Eine Angabe pro Stück, pro Flasche, pro Kugel Eis oder pro Gericht wäre für viele Menschen deutlich verständlicher als eine abstrakte Angabe pro 100 Gramm.

Bei verpackten Lebensmitteln gibt es eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung bereits. Dort müssen unter anderem Brennwert, Fett, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz angegeben werden. In der Gastronomie, bei Bäckereien oder bei anderer loser Ware ist die Frage schwieriger. Dort ändern sich Rezepturen, Portionsgrößen und Zubereitung häufiger. Deshalb müsste man genau prüfen, wie eine solche Regelung praktikabel ausgestaltet werden kann, ohne kleine Betriebe mit zusätzlicher Bürokratie zu überlasten.

Gleichzeitig glaube ich nicht, dass eine bessere Kalorienkennzeichnung allein ausreicht. Sie informiert Verbraucherinnen und Verbraucher erst dann, wenn das Produkt bereits angeboten wird. Bei stark gezuckerten Getränken halte ich es für sinnvoller, früher anzusetzen. Ziel sollte sein, dass der Zuckeranteil schon vor dem Verkauf sinkt. Eine Zuckerabgabe sollte deshalb möglichst die Hersteller treffen und sie dazu bewegen, Rezepturen zu ändern, statt die Kosten einfach nur an die Endverbraucher weiterzugeben.

Ein gutes Beispiel ist Großbritannien. Dort hat die Softdrink-Abgabe dazu geführt, dass viele Hersteller den Zuckergehalt ihrer Getränke gesenkt haben, um unter bestimmte Abgabeschwellen zu kommen. Genau das ist aus meiner Sicht der entscheidende Punkt: Nicht nur der Konsum soll teurer werden, sondern die Produkte sollen insgesamt weniger Zucker enthalten.

Ich würde beides daher nicht gegeneinander ausspielen. Mehr Transparenz bei Kalorien kann sinnvoll sein, besonders wenn sie verständlich und alltagstauglich erfolgt. Bei Softdrinks ist aber eine Herstellerabgabe mit Reformulierungsanreiz der gezieltere Hebel. Gesundheitspolitisch wäre am meisten gewonnen, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher besser informiert werden und zugleich weniger stark gezuckerte Produkte im Regal stehen.

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