Wie stehen Sie zu diesem Handelsabkommen und warum? Was würde das aus Ihrer Sicht für uns Bürger bedeuten, z.B. für Lebensmittelpreise, Qualität und unsere Landwirtschaft?
Sehr geehrter Herr Herr,
In den Nachrichten hört man immer wieder von einem geplanten Handelsabkommen der EU mit südamerikanischen Ländern aus dem Zusammenschluss Mercosur. Mir ist aber ehrlich gesagt nicht klar, worum es dabei genau geht und was das für uns hier in Deutschland bedeutet. Gleichzeitig liest man, dass viele Bauern dagegen sind und Angst um ihre Betriebe haben.
Sehr geehrte Frau E.,
vielen Dank für Ihre Frage.
Ich stehe dem geplanten Abkommen der EU mit den Ländern des Mercosur nicht pauschal zustimmend, aber auch nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Entscheidend ist für mich, welche ganz konkreten Folgen das Abkommen für unseren Alltag hat.
Klar ist: Für große Industriebetriebe kann das Abkommen Vorteile bringen, weil Zölle wegfallen und neue Märkte erschlossen werden. Für die Landwirtschaft sieht die Lage anders aus. Vor allem bei Rindfleisch, Geflügel und Zucker ist damit zu rechnen, dass mehr Ware aus Südamerika auf den europäischen Markt kommt. Das kann zu sinkenden Preisen führen – und genau das bringt viele heimische Betriebe unter Druck.
Für die Bürgerinnen und Bürger kann das kurzfristig bedeuten, dass bestimmte Lebensmittel billiger werden. Das klingt zunächst positiv. Langfristig besteht aber die Gefahr, dass immer mehr regionale Betriebe aufgeben müssen. Weniger heimische Landwirtschaft heißt am Ende: weniger Auswahl aus der Region, weniger Kontrolle über Produktionsbedingungen und mehr Abhängigkeit von Importen.
Deshalb kommt es für mich auf klare Bedingungen an. Ein solches Abkommen ist nur verantwortbar, wenn
- es feste Obergrenzen für sensible Agrarimporte gibt,
- Schutzmaßnahmen sofort greifen, sobald Preise oder Betriebe unter Druck geraten,
- und unsere Standards bei Tierwohl, Umwelt und Lebensmittelsicherheit uneingeschränkt gelten, auch für importierte Produkte.
Es geht nicht darum, Handel zu verhindern, sondern darum, dass unsere Landwirtschaft und damit unsere Lebensmittelversorgung nicht für andere wirtschaftliche Interessen geopfert werden. Diese Frage betrifft nicht nur Bauern, sondern jeden, der täglich einkauft und Wert auf Qualität, Herkunft und Versorgungssicherheit legt.

