Sehr geehrte Fr. Mirow, wie stehen Sie zu den Honorarkürzungen für Psychotherapie und geplanten weiteren Sparmaßnahmen, die die Teilhabe psychisch Kranker gefährden und Folgekosten erhöhen?
Sehr geehrter Herr Z.,
vielen Dank für Ihre Frage zu diesem wichtigen Thema. Aktuell erreichen mich und meine Kolleg*innen viele besorgte Zuschriften zur aktuellen Versorgungssituation und den Honorarkürzungen und weiteren Sparmaßnahmen.
Der Bedarf an Psychotherapie ist in Deutschland zuletzt deutlich gestiegen – was angesichts aktueller Krisen, Kriege und der immer stärkeren Belastungen in Arbeitswelt und Bildungsweg sehr verständlich ist. Dennoch sparen die gesetzlichen Krankenkassen ausgerechnet auf dem Rücken der Menschen, die dringend psychotherapeutische Hilfe benötigen.
Wie Sie treffend anmerken, gefährden diese Maßnahmen die Teilhabe der Betroffenen massiv. Die Absenkung der Honorare um 4,5 % und weiterer Sparmaßnahmen bedeutet eine kritische Verschlechterung der Versorgung. Sie schafft Anreize für Therapeut*innen, freie Termine noch stärker an Privatversicherte oder Selbstzahler*innen zu vergeben. Das treibt eine Zwei-Klassen-Medizin voran, unter der besonders jene leiden, die sich Behandlungen aus eigener Tasche nicht leisten können und in Krisenzeiten ohnehin oft monatelang auf einen Platz warten müssen.
Laut OECD hat sich der Anteil der Menschen in Deutschland mit unbehandelten psychischen Problemen seit 2021 von vier auf zehn Prozent mehr als verdoppelt.
Honorarabsenkungen und die weiteren Sparmaßnahmen sind hier definitiv ein Schritt in die völlig verkehrte Richtung. Wir müssen stattdessen die ohnehin schwierige Versorgungssituation durch strukturelle Maßnahmen verbessern.
Die Linke fordert eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung mit Kassensitzen und eine gesonderte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen sowie die Finanzierung der Weiterbildung von Psychotherapeut*innen. All das mit dem Ziel, das diejenigen die Termine bekommen, die sie am dringendsten brauchen, unabhängig von ihrem Versicherungsstatus.
Beste Grüße
Sahra Mirow

