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Martin Habersaat
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Frage von Mike S. •

Die Leistungen im MINT-Bereich sinken laut bundesweiten Studien kontinuierlich. Welche verbindlichen Änderungen im Lehrplan der Primarstufe schlagen Sie vor, um dem entgegenzuwirken?

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Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr S.,

zunächst würde ich bei der Stärkung der MINT-Fächer weniger an den Rahmenplänen als vielmehr an den Rahmenbedingungen für den Unterricht ansetzen. Seit Bildungsministerin Britta Ernst 2017 den ersten MINT-Bericht für Schleswig-Holstein vorgelegt hat und bereits 2013 das Projekt „Mathe macht stark“ gestartet wurde, ist das Thema stärker ins bildungspolitische Bewusstsein gerückt. Allerdings sehe ich weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Drei Punkte sind mir besonders wichtig:

1. Weniger fachfremder Unterricht

Gerade in den MINT-Fächern wird noch immer viel zu häufig fachfremd unterrichtet. Das betrifft beispielsweise Mathematik an Grundschulen und Informatik an weiterführenden Schulen. Wir brauchen deshalb mehr entsprechend ausgebildete Lehrkräfte und bessere Möglichkeiten zur fachlichen Nachqualifizierung. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, wen wir aus welchen Gründen an den Hochschulen "herausprüfen".

2. Bessere Mathematikdidaktik und anderes Unterrichtsklima

Aus dem früheren Schulfeedback.SH, das Karin Prien leider abgeschafft hat, wissen wir, dass Schülerinnen und Schüler den Mathematikunterricht häufig als weniger wertschätzend erlebt haben als den Unterricht in anderen Fächern. Häufig folgte daraus eine Haltung in der Art von "Mathe kann man eben, oder man kann es nicht". Das sollte uns zu denken geben. Mathematik darf kein Fach sein, in dem Kinder und Jugendliche Angst haben, Fehler zu machen oder Fragen zu stellen. Wir müssen deshalb stärker darauf achten, wie Mathematik vermittelt wird und wie wir eine positive Lernatmosphäre schaffen. Und wir müssen Schleifen einbauen, in denen sich verpasstes nachholen lässt. 

3. Mehr Personal für individuelle Unterstützung

Ich habe seinerzeit den Ansatz von Karin Prien kritisiert, zusätzliche Mathematikstunden an Grundschulen einzuführen. Die dafür vorgesehenen Ressourcen hätte ich lieber in eine zusätzliche personelle Besetzung bestehender Mathematikstunden investiert. Mein Eindruck ist, dass viele Schülerinnen und Schüler Hemmungen haben, vor der gesamten Klasse zuzugeben, dass sie etwas nicht verstanden haben. Und das ist in vier Mathestunden nicht anders als in fünf. In einer Eins-zu-eins-Situation fällt ihnen das oft deutlich leichter. Deshalb halte ich es für sinnvoll, im Mathematikunterricht häufiger mit zwei Erwachsenen zu arbeiten - das würde gleichzeitig den Unterrichtsausfall reduzieren helfen. Dabei muss die zweite Person nicht unbedingt eine ausgebildete Mathematiklehrkraft sein. Viele Mathematiklehrkräfte haben mir berichtet, dass es ihnen bereits sehr helfen würde, wenn eine weitere Person im Klassenraum mit einzelnen Kindern oder kleineren Gruppen Aufgaben bearbeiten und Verständnisprobleme klären könnte. Auch das Hamburger "Recht auf Nachhilfe" ist ein bewährtes System, das hier helfen könnte. 

Mein Ziel ist nicht einfach mehr MINT-Unterricht, sondern besserer. Dafür brauchen wir gut ausgebildete Lehrkräfte, eine Didaktik, die Kinder ermutigt, und vor allem mehr Möglichkeiten zur individuellen Unterstützung. Die Lehrpläne selbst würde ich in bewährter Tradition gerne weiterhin nicht im Landtag diskutieren. 

Mit freundlichen Grüßen

Martin Habersaat

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