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Manfred Uekermann
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Frage von Jan R. •

Ist angeln mit Bleigewichten noch zeitgemäss? Welche Erfahrungen hat Ihr Nachbar Dänemark mit dem Verkaufverbot und Importverbot gemacht?

Gerne hätte ich eine Anwort von den Dänemarkexperten vom SSW bekommen, leider waren die Kollegen Christian Dirschauer SSW, Stefan Seidler SSW, Michael Schunck SSW und Sybilla Nitsch SSW nicht zu erreichen.Können SIe als Nachbar von Dänemark weiterhelfen?Seit 1998 gilt in Dänemark ein Verkaufsverbot für bleihaltige Angelgeräte, seit 2002 ist auch der Handel und Import untersagt. Zum Schutz von Lebewesen und Gewässern, weil Blei ein schädliches Schwermetall ist und Kosten bei der beseitigung von Altlasten entstehen.Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Verbot in Dänemark und was könnte in SH und der BRD besser gemacht werden?

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Antwort von CDU

Sehr geehrter Herr R.,

ich habe Ihre Frage bei Abgeordnetenwatch erhalten und möchte darauf nunmehr zurückkommen:

Blei, das in die Umwelt und in Gewässer gelangt, stellt grundsätzlich ein Umweltrisiko dar und ist als „sehr giftig“ für aquatische Organismen eingestuft (EU-Verordnung Nr. 1271/2008). Aufgrund von Bioakkumulation (Anreicherung von Schwermetallen in Organismen) und nachfolgender Biomagnifikation (Zunahme der Konzentration entlang der Nahrungskette) kann es hierbei nicht nur zu negativen Auswirkungen auf höhere Tierarten, sondern auch auf die menschliche Gesundheit kommen. Vor diesem Hintergrund sollte es ein übergeordnetes Ziel sein, den Eintrag von Blei in die Umwelt möglichst zu vermeiden.

Beim Angeln kommt es unvermeidlich – etwa durch Abrisse von Ködern und Gewichten an Unterwasserstrukturen – zu Einträgen von Blei in Gewässer. Die Größenordnung des durch die Angelfischerei freigesetzten Bleis ist im Vergleich zu anderen Eintragsquellen von Schwermetallen (z. B. industrielle Abwässer) jedoch voraussichtlich überschaubar. Konkrete wissenschaftliche Hochrechnungen liegen dem Fischereireferat hierzu derzeit allerdings nicht vor.

Ungeachtet dessen begrüßt das Fischereireferat grundsätzlich die Bestrebungen der Europäischen Union, die Verwendung von Blei beim Angeln zu reduzieren. Da eine Kontrolle der Nutzung bleihaltiger Köder oder Gewichte im Rahmen von Vor-Ort-Kontrollen praktisch kaum umsetzbar ist, sieht das Fischereireferat in einer Beschränkung der Einfuhr und Vermarktung die einzige effektiv umsetzbare Maßnahme. Schleswig-Holstein hat sich hierzu in Zusammenarbeit mit dem Bund im Rahmen verschiedener Stellungnahmen zum EU-Rechtsakt „Lead in Fishing“ eingebracht, was letztlich auch zu einem entsprechenden Fortschritt auf europäischer Ebene beigetragen hat.

Erfahrungen aus Dänemark sind dem Fischereireferat bislang nicht bekannt. Die Auswirkungen auf die Angelfischerei dürften jedoch je nach Angelmethode sehr unterschiedlich ausfallen. Die Angelindustrie hat diese Problematik bereits seit vielen Jahren erkannt und bietet zunehmend Alternativen zu Bleigewichten an. Für bestimmte Angelmethoden, insbesondere das aktive Angeln auf Raubfische wie Barsch, Hecht oder Zander, können diese Alternativen – etwa aus Tungsten – sogar Vorteile für den Angelnden bieten (z. B. geringeres Volumen bei gleichem Gewicht im Vergleich zu Blei). Entsprechend setzen sich diese Produkte trotz höherer Preise zunehmend durch.

Bei anderen Angelmethoden, bei denen deutlich höhere Gewichte zum Einsatz kommen und bei denen die Größe des Gewichts keinen unmittelbaren Einfluss auf den Fangerfolg hat, wie etwa beim Ansitzangeln oder in der Meeresangelei, konnten sich Alternativen bislang kaum etablieren. In diesen Bereichen würde ein Vermarktungsverbot von Bleigewichten einen erheblichen Einschnitt für die Anglerinnen und Angler darstellen, besonders durch die sehr hohen Preise schwerer Gewichte.

Mit freundlichen Grüßen,

Manfred Uekermann MdL

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