Wie stehen Sie zu den Kürzungen der Psychotherapie-Honorare?
Liebe Frau Heitmann, ich bin seit 10 Jahren als Psychotherapeutin im Kreis Rendsburg-Eckernförde niedergelassen. Die aktuellen Kürzungen des Honorars treffen mich sehr. Meine Berufsgruppe liefert wichtige Beiträge, nicht nur auf individueller Ebene, sondern gesamtgesellschaftlich. Psychische Erkrankungen nehmen in Zeiten von Polykrisen zu und gefährden somit auch die Resilienz der Gesellschaft. Psychisch stabile Menschen sind demokratiebewusster und weniger anfällig für populistische Parteien! Meine Berufsgruppe hatte schon vor den Kürzungen die geringste Vergütung im fachärztlichen Bereich. Wir investieren Zeit in Fortbildungen und zeigen eine große Flexibilität, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden (Grundversorgung, Gruppenangebote etc.) Aller Voraussicht nach führen die Kürzungen dazu, dass wir vermehrt privat Versicherte behandeln, um die finanzielle Lücke auszugleichen. Das wird leider den Engpass weiter verschärfen. Bitte setzten Sie sich für uns ein! MfG, Britta B.
Sehr geehrte*r B. B.,
vielen Dank für Ihre Anfrage.
Ich teile Ihre Sorge. Gesundheitspolitisch ist die Absenkung der psychotherapeutischen Leistungen im Hinblick auf die schon derzeit bestehenden Versorgungslücken höchst problematisch.
Wir aber bleiben nicht untätig und haben deshalb den Eilantrag „Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken“ (Drucksache 21/4954) in den Deutschen Bundestag eingebracht. Wir fordern darin, eine Reform der psychotherapeutischen Bedarfsplanung, die sich an dem aktuellen Hilfebedarf orientiert.
Mit meiner Fraktion habe ich den Prozess aufmerksam begleitet. Nach Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses am 11. März 2026 soll die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen ab dem 1. April um 4,5 Prozent sinken. Es ist unverständlich, dass ausgerechnet Psychotherapeut*innen zukünftig weniger für die Behandlung von GKV-Versicherten erhalten sollen. Psychotherapeutische Arbeit muss adäquat finanziert werden.
Grundsätzlich sind Honorarvereinbarungen eine Angelegenheit der Selbstverwaltung und es ist richtig, dass diese nicht politisch getroffen werden. Aus diesem Grund ist eine direkte politische Einflussnahme weder möglich noch sinnvoll. Dennoch äußere ich mich in dieser Angelegenheit auch dezidiert politisch mit Kritik an dieser Entscheidung.
In einer Situation, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung stetig steigt, Wartezeiten für viele Patient*innen unzumutbar lang sind und Praxen zugleich unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, ist eine pauschale Honorarkürzung natürlich ein verheerendes Signal. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten und Fehlanreize zu Ungunsten von GKV-Versicherten entstehen, gefährdet das die psychotherapeutische Versorgung.
Was wir stattdessen brauchen, sind nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen. Pauschale Kürzungen werden die bestehende Fehlsteuerung und die finanzielle Schieflage innerhalb des Gesundheitssystems nicht lösen können.
Auch setzen wir Grüne schon lange eine Reform der Psychotherapieausbildung ein und finden, dass diese längst überfällig ist. Aus unserer Sicht ist vor allem die Finanzierung der Weiterbildung der Psychotherapeut*innen nicht ausreichend geregelt. Doch auch das braucht es für ein stabiles Gesundheitssystem.
Durch vielfältige gesellschaftliche Krisen erleben wir derzeit einen Anstieg psychischer Belastungen, besonders unter Kindern und Jugendlichen. Das Hilfesystem wird der steigenden Nachfrage nach Unterstützungs- und Behandlungsbedarfen zunehmend nicht mehr gerecht und stößt schon heute an seine Kapazitätsgrenzen. Insgesamt sind die Zugänge zum Hilfesystem mit zu vielen Hürden belastet.
Es ist nicht hinzunehmen, dass viele Menschen in einer psychischen Krise monatelang auf passende Hilfe warten müssen und die Suizidzahlen weiter steigen. Alle Menschen mit Hilfebedarf sollen im Bedarfsfall niedrigschwellige Zugänge zu passgenauen psychosozialen und therapeutischen Angeboten haben. Eine neue Bedarfsplanung ist überfällig. So sehen wir beispielsweise die psychotherapeutische Versorgung außerhalb eines Primärversorgungssystems, damit Menschen mit psychiatrischem oder psychotherapeutischem Hilfebedarf weiterhin direkten Zugang zu diesen Versorgungsbereichen behalten. Unser Ziel sind mehr Hilfen und weniger Stigma.
Gemeinsam mit meiner Fraktion werde ich weiterhin dafür einstehen, dass angemessene finanzielle Rahmenbedingungen geschaffen werden. Psychische Gesundheit darf nicht vom Versicherungsstatus abhängen.
Mit freundlichen Grüßen
Linda Heitmann, MdB

