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Lina Seitzl
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Frage von Karin F. •

Werden Sie sich für eine nachhaltige psychotherapeutische Versorgung und gegen die Budgetierung von Psychotherapie einsetzen?

Sehr geehrte Frau Seitzl,
obwohl es klare Empfehlungen GEGEN eine Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen gab, soll der Gesundheitsausschuss nun hierüber entscheiden. Eine Abwägung, die aus gesamtgesellschaftlicher, ökonomischer und sozialer Sicht nur gegen die Budgetierung bisher extrabudgetärer psychotherapeutischer Leistungen ausfallen kann. Alles andere würde zu einer drastischen Verschlechterung der psychotherapeutischen Versorgung und langfristig zu einem deutlichen Anstieg an Folgekosten (Krankenzeiten, stationäre Aufenthalte, Erwerbsunfähigkeitsberentungen, Anstieg psychisch kranker Kinder und Jugendlicher mit entsprechend eingeschränkter Leistungsfähigkeit als zukünftige Rentensicherer, etc.) führen.
Daher bitte ich Sie, sich für eine gute und nachhaltige psychotherapeutische Versorgung einzusetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Karin F.

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Antwort von SPD

Sehr geehrte Frau F.,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich teile Ihre Einschätzung, dass psychotherapeutische Versorgung nachhaltig gesichert und weiter gestärkt werden muss. Psychische Erkrankungen haben für Betroffene, Familien, Arbeitswelt und Gesellschaft erhebliche Folgen. Deshalb darf psychotherapeutische Versorgung nicht allein unter kurzfristigen Kostengesichtspunkten betrachtet werden.
 

Der Gesetzentwurf zur Stabilisierung der GKV-Beitragssätze verfolgt das Ziel, weitere Beitragssteigerungen zu vermeiden und die gesetzliche Krankenversicherung finanziell zu stabilisieren. Im Bereich der vertragsärztlichen Versorgung sieht der Entwurf unter anderem vor, Vergütungszuwächse stärker an die Einnahmenentwicklung der GKV zu koppeln und die gesetzliche Vorgabe für Zuschläge bei Kurzzeittherapien zurückzunehmen. Begründet wird dies damit, dass der mit den Zuschlägen beabsichtigte Effekt, Therapiedauern zu verkürzen und zusätzliche Behandlungskapazitäten zu schaffen, nach den vorliegenden Erläuterungen nicht eingetreten ist.


Gleichzeitig ist für mich klar: Maßnahmen zur Stabilisierung der GKV dürfen nicht dazu führen, dass Patientinnen und Patienten schlechter oder später Zugang zu notwendiger psychotherapeutischer Behandlung erhalten. Gerade angesichts langer Wartezeiten wäre jede Regelung problematisch, die das Angebot für gesetzlich Versicherte reduziert oder Praxen wirtschaftlich so belastet, dass Versorgungskapazitäten verloren gehen.


Deshalb werde ich mich im weiteren parlamentarischen Verfahren dafür einsetzen, dass die Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung sorgfältig geprüft werden. Entscheidend ist für mich, dass medizinisch notwendige Psychotherapie bedarfsgerecht, erreichbar und verlässlich finanziert bleibt. Kurzfristige Einsparungen dürfen nicht zu höheren Folgekosten durch längere Krankheitsverläufe, stationäre Behandlungen oder Erwerbsminderung führen.


Für uns als SPD ist zentral, die Balance zwischen stabilen Beiträgen, Versorgungssicherheit und sozialer Verantwortung zu wahren. Zugleich bleibt es Aufgabe des parlamentarischen Verfahrens, dort nachzusteuern, wo Versorgung gefährdet werden könnte.


Ich werde mich daher für eine nachhaltige psychotherapeutische Versorgung einsetzen und gegen Regelungen, die den Zugang zu notwendiger Psychotherapie verschlechtern oder Versorgungskapazitäten gefährden.


Mit freundlichen Grüßen
Dr. Lina Seitzl
 

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