Psychotherapie ist existenziell bedroht-was werden Sie tun?
Sehr geehrter Herr Zimmer, die beispiellose Honorarkürzung der Psychotherapeuten, der am geringsten verdienende Facharztgruppe, hat zahllose Demos und Petitionen ausgelöst,auf die CDU und SPD kaum reagierten. Fr Warkens aktuelle Pläne bedeuten für mich als ärztliche Psychotherapeutin zusätzlich: Kürzung von Zuschlägen und durch Kopplung von Ausgaben an Einnahmen eine faktische Budgetierung. Gleichzeitig funktioniert die Ausgabenseite weiter nach dem Prinzip der freien Marktwirtschaft. Absehbar verdienen Psychotherapeuten dann 20-30% weniger als vor einem Monat und werden faktisch auf PKV oder Selbstzahler gehen oder aufgeben müssen, auch ich zahle eine Kredit ab und bin ernsthaft existenziell bedroht. Die Versorgung der Patienten wird einbrechen und chronifizierte psych. Erkrankungen werden später viel viel teurer. GKV Beiträge für mich und Angestellte steigen parallel.. Dabei wollte die Koalition doch psych. Versorgung verbessern, statt zerstören Was werden Sie tun?
Sehr geehrte Frau G.,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Das Thema wurde bereits von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus meinem Wahlkreis an mich herangetragen. Dazu habe ich vor Ort persönliche Gespräche geführt und mir ein Bild von der Situation gemacht. Ich verstehe gut, dass die aktuellen Entwicklungen Sie nicht nur fachlich, sondern ganz konkret in Ihrer persönlichen und wirtschaftlichen Situation treffen. Wenn man eine Praxis führt, Personal beschäftigt und eigene finanzielle Verpflichtungen hat, baut man darauf auf, dass die Rahmenbedingungen verlässlich bleiben. Wenn sich das kurzfristig ändert, bringt das viele Planungen ins Wanken. Dass Sie das als existenzielle Belastung empfinden, kann ich nachvollziehen. Das von Ihnen geschilderte Anliegen wurde bereits im Ausschuss für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landtags thematisiert. Unabhängig davon werden wir als CDU-Fraktion dieses Thema mit einem Selbstbefassungsantrag erneut auf die Tagesordnung des Ausschusses setzen und vertieft beraten. Aus fachlicher Sicht halte ich die geplanten Kürzungen der Honorare für den falschen Weg. Schon jetzt bestehen erhebliche Defizite in der psychotherapeutischen Versorgung, insbesondere im ambulanten Bereich. Eine solche Maßnahme würde die Situation weiter verschärfen. Es ist absehbar, dass weniger Niederlassungen erfolgen und im schlimmsten Fall bestehende Praxen aufgegeben werden müssen. Es besteht breiter fachlicher Konsens, dass die psychotherapeutische Versorgung gestärkt werden muss, gerade im Bereich von Kindern und Jugendlichen. Die seelische Gesundheit junger Menschen steht aktuell verstärkt im Fokus, unter anderem im Zusammenhang mit der Debatte über die Nutzung sozialer Medien durch Minderjährige. Die in den vergangenen Jahren erreichten Fortschritte in der psychotherapeutischen Versorgung dürfen nicht gefährdet werden. Ein Rückschritt wäre weder gesellschaftlich noch politisch verantwortbar. Wir werden daher nicht nur parlamentarisch aktiv werden, sondern auch den direkten Austausch mit den Verantwortlichen auf Bundesebene suchen, um die geplanten Kürzungen zu verhindern.
Über die weiteren Entwicklungen halte ich Sie gern auf dem Laufenden.
Mit freundlichen Grüßen
Lars-Jörn Zimmer
ljz-btf@web.de

