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Frage von Beate B. •

Frage an Klaus Wowereit von Beate B. bezüglich Bildung und Erziehung

Sehr geehrter Herr Wowereit! 30.8.06

Die Kürzungen der Erdkunde in Berlin sind noch immer brennendes Thema aller Erdkundelehrer der Stadt.
Alle Ihre Antworten berühren den Kern des Problems leider noch nicht :
Wie wollen sie realisiert sehen, dass „Wissen über die Zusammenhänge sinnvollen Lebens für den Menschen auf unserer Kugel“ mit Toleranz gegenüber anderen Kulturen und problemorientiertem Denken im Trockenkurs einer Ethik von Nichtgeographen erfolgreich vermittelt werden kann in einer Weise, wie dies bis jetzt zusammen mit Religion in unseren Händen lag?
Der Ethiklehrer ist ohne gesellschaftliche, räumliche, historische und naturgeographische Bezüge zum Raum, den dort lebenden Menschen und ohne das geographischem Anschauungsmaterial nicht in der Lage, Schüler in jene emotionale Situation zu führen, die Schülererkenntis selbständig auslöst, Verantwortung induziert. Ich habe selbst 10 Semester Philosophie studiert, kenne die Inhalte, die method. Möglichkeiten.
Als Mathematiklehrer erlaube ich mir die Bemerkung, dass Verantwortung und Toleranz vor mathematischem Denken rangieren. Dazu ist seit 18.8.06 (Tgsp) bekannt, dass 40% Jugendliche bis 18 J. mit Migrations-hintergrund in Bln leben aus >190 Nationalitäten, >250 Religionsgemeinschaften. Erdk.lehrt Wissen über das „Fremde“ mit Verantwortung, das hat Bln extrem nötig.
Sind in der Abstimmung im Abgeordnetenhaus der Lehrplan Erdkunde und die Folgen der Kürzung diskutiert worden?
Erdk. heute hat nichts mehr mit der Erdkunde vor 30 J. zu tun, das wissen die Wenigsten.
Ich bitte Sie um Ihre verantwortungsvolle Mithilfe, die Kürzung zu revidieren.
In dankbarer Erwartung grüßt Sie
Beate Badinski

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Antwort von
SPD

Sehr geehrte Frau Badinski,

das neue Fach Ethik wird seit Beginn des Schuljahres unterrichtet. Meine Bitte ist, den Lehrerinnen und Lehrern dieses Faches nicht von vornherein das nötige Verständnis für historische und gesellschaftliche Zusammenhänge abzusprechen, sondern mit ihnen im Kollegium eng und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Ich teile Ihre Ansicht, dass Toleranz und das Wissen um das "Fremde" in unseren Schulen eine größere Rolle spielen müssen. Gerade deshalb setzen wir auf einen verpflichtenden Werteunterricht. Denn bisher besuchten lediglich 25% der Oberschüler den Religionsunterricht. Angesichts der ethnischen, kulturellen und religiösen Vielfalt Berlins, die Sie ja selbst ansprechen, erscheint uns die Einführung des neuen Pflichtfaches und die damit verbundene Reform der Stundentafeln als die richtige Antwort.
Wenn Oberschulen darüber hinaus ein gesellschaftswissenschaftliches Profil ausbilden wollen, können sie in ihren Schulkonferenzen die verfügbaren Poolstunden so verteilen, dass Erdkunde auch weiterhin mit zwei Wochenstunden unterrichtet wird. In anderen Bundesländern, auch darauf habe ich hier bereits mehrfach hingewiesen, gibt es nur eine
Unterrichtsstunde Erdkunde.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wowereit