Wie sind die aktuellen Honorarkürzungen von 4,5 Prozent für Psychotherapeuten vereinbar mit einer stabilen Versorgungslage des hohen/steigenden Bedarfs bei gesetzlich Krankenversicherten?
Sehr geehrter Herr Willsch,
ich bin tief betroffen von den ganz kurzfristig anstehenden Kürzungen der Honorare für meine Berufsgruppe um 4,5 Prozent. Meine Kolleginnen und ich fühlen uns in unserer Arbeit dadurch vehement entwertet und können die angeführten Begründungen nicht nachvollziehen. Dass Honorarsteigerungen bisher stets erkämpft werden mussten ist angesichts der Inflationsraten schon traurig genug. Dass es nun sogar zu einer derart gravierenden Kürzung kommen soll, hinterlässt uns zunächst sprachlos.
Die Nachfrage nach Psychotherapie ist hoch und alle Kolleginnen, die ich kenne, nehmen deutlich mehr gesetzlich Versicherte auf als für das Erfüllen ihres Versorgungsauftrages nötig wäre. Wir sehen uns nun gezwungen, den Anteil der Privatpatienten/Selbstzahler zu erhöhen, um unsere Praxen einigermaßen wirtschaftlich erhalten zu können.
Ich bitte Sie dringend auf die Entwicklung korrigierend Einfluss zu nehmen.
Besten Dank und freundliche Grüße
Dipl.-Psych. Christine G.
Sehr geehrte Frau G.,
zuerst einmal vielen Dank für Ihre Nachricht. Für Ihre tägliche Arbeit als Psychologin danke ich Ihnen ausdrücklich. Bevor ich auf Ihr Anliegen eingehe, gestatten Sie mir einen kurzen Hinweis: Als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Rheingau-Taunus – Limburg (177) ist es mir ein wichtiges Anliegen, regelmäßig mit den Bürgern in Kontakt zu treten und für den persönlichen Austausch zur Verfügung zu stehen. Wenn Sie also mit einem Anliegen an mich herantreten wollen, können Sie jederzeit den direkten Kontakt suchen, digital per E-Mail oder persönlich auf einer der zahlreichen Veranstaltungen im Wahlkreis. Es ist nicht erforderlich, über sogenannte „Abgeordnetenwächter“ oder ähnliche Plattformen zu gehen, die sich als Mittler aufspielen, tatsächlich aber nicht selten als eine Art Abgeordnetenpranger fungieren. Der direkte Weg ist immer der bessere.
Zu Ihrem Anliegen: Die Vergütung in der vertragsärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung wird nicht unmittelbar durch den Deutschen Bundestag festgelegt. Vielmehr handelt es sich um eigenständige Verhandlungen zwischen den Selbstverwaltungspartnern – insbesondere der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem GKV-Spitzenverband – im sogenannten Bewertungsausschuss. Grundlage der Entscheidung sind aktuelle Kostenstrukturdaten des Statistischen Bundesamtes, die am 24. Juli 2025 veröffentlicht wurden.
Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat am 11. März 2026 beschlossen, die Vergütung um 4,5 Prozent abzusenken, und zwar gegen die Stimmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Gleichzeitig werden die Strukturzuschläge zur Finanzierung von Personal um 14,25 Prozent erhöht. Wer hier allein auf die Absenkung blickt, lässt einen wesentlichen Teil der Gesamtbetrachtung außer Acht. In vielen Fällen fällt die tatsächliche Belastung daher deutlich geringer aus, als es auf den ersten Blick erscheint.
Gerade deshalb ist es wichtig, bei aller Kritik die sachlichen Grundlagen nicht aus dem Blick zu verlieren. Entscheidungen werden hier nicht willkürlich getroffen, sondern auf Basis belastbarer Daten und innerhalb klar geregelter Verfahren. Zugleich bitte ich um Verständnis dafür, dass die Politik die Entscheidung der gesetzlich beauftragten gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen respektiert.
Ziel bleibt eine verlässliche, qualitativ hochwertige und am Bedarf orientierte Versorgung. Das Bundesgesundheitsministerium wird im Rahmen seiner Rechtsaufsicht prüfen, ob das Verfahren ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, entsprechende Entscheidungen gerichtlich überprüfen zu lassen
Wenn Sie sich näher über meine Arbeit informieren möchten, lade ich Sie herzlich auf meine Homepage ein. Dort finden Sie auch meinen Hauptstadtbrief, in dem ich regelmäßig zu aktuellen politischen Themen Stellung nehme. Gerne können Sie diesen direkt abonnieren – hier der Link zur Registrierung: www.klaus-peter-willsch.de/hauptstadtbrief. Aktuelle Einblicke in meine Arbeit erhalten Sie außerdem auf Facebook (facebook.com/klauspeter.willsch) und Instagram (instagram.com/klauspeterwillsch).
Mit freundlichen Grüßen
Klaus-Peter Willsch
