Klaus Lederer
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DIE LINKE
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Wie stehen sie zum Thema "Politischer Islam"?

Frage von Konstantin J. am
Klaus Lederer
Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 13 Stunden

Sehr geehrter Konstantin J.

DIE LINKE steht dem Begriff „politischer Islam“ aufgrund seiner Unbestimmtheit und Ambivalenz eher skeptisch gegenüber. Der (schon im wissenschaftlichen Diskurs umstrittene) Begriff „politischer Islam“ bezieht sich im Allgemeinen auf jede Interpretation des Islam, die als Grundlage für politische Identität und politisches Handeln dient. Insbesondere bezieht er sich auf Bewegungen, die moderne politische Mobilisierungen im Namen des Islam vertreten, eine Strömung, die sich Ende des 20. Jahrhunderts herausbildete. Gegen eine solche rationale, wissenschaftliche Beschäftigung mit Entwicklungen in der muslimischen Welt ist grundsätzlich erst einmal nichts einzuwenden. Im politischen Diskurs wird der Begriff aber vor allem als Chiffre für „Dschihadismus“ und “Islamismus“ verwendet und dient dazu, das gehört auch zur Wahrheit, den Islam bzw. Muslime an sich in ein negatives Licht zu rücken und Muslime vom politischen bzw. gesellschaftlichen Diskurs auszuschließen.

DIE LINKE steht für ein friedliches und von gegenseitigem Respekt geprägtes Zusammenleben in einer freiheitlichen Gesellschaft, unabhängig von Ethnie, Herkunft oder Religionszugehörigkeit. Dazu gehört auch, das politische Engagement von Muslimen zu schätzen, und diese zu ermutigen, sich in und für eine demokratisch und freiheitlich verfasste Gesellschaft zu engagieren. Demgegenüber werden wir immer gegen politische Strömungen und Ideologien angehen, die Rassismus, Antisemitismus, Misogynie, Sexismus etc. propagieren, unabhängig davon, aufgrund welcher Religion oder Weltanschauung diese politischen Strömungen ihre Haltungen begründen. Des Weiteren gehört Säkularismus, also die strenge Trennung von Staat und Religion, quasi zur politischen DNA der Linken. Dementsprechend werden wir jeden Versuch abwehren, religiöse Regeln zur Grundlage staatlichen Handelns zu machen. Aber auch dies gilt für alle Religionen und nicht nur für den Islam. Mit Blick auf die engen Verbindungen evangelikaler Christ:innen zur politischen Rechten würde ich mir wünschen, dass mit genauso großer Vehemenz über das „politische Christentum“ gestritten würde wie über den „politischen Islam“.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Lederer

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