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Katrin Gensecke
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Frage von Christoph S. •

Ist in dünn besiedelten Gebieten Schulpflicht bei schlechtem ÖPNV noch technisch sinnvoll?

Sehr geehrte Frau Gensecke

bei schlechtem ÖPNV, insbesondere bei Ausfall der Bahn, öfter verpassten Anschlüssen, schlecht dokumentierten tatsächlichen Fahrtzeiten verbringen die Kinder und Jugendlichen zu viel Zeit unterwegs. Das wirkt dann nicht mehr als Schulpflicht sondern als Pflicht, unterwegs zu leiden. Da erscheint Schule im Homeoffice oder das selbstständige Lernen anhand von kuratierten Lernvideos viel effektiver.

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Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr S.,

vielen Dank für Ihre Frage und den wichtigen Hinweis auf die besonderen Herausforderungen in dünn besiedelten Regionen. Wenn Schülerinnen und Schüler durch Zugausfälle, verpasste Anschlüsse oder unzuverlässige Fahrzeiten unverhältnismäßig lange unterwegs sind, muss das ernst genommen werden. Deshalb müssen die tatsächlichen Schulwege regelmäßig überprüft und der Schülerverkehr verlässlich organisiert werden.

In Sachsen-Anhalt haben wir uns als SPD darauf verständigt, dass Schülerinnen und Schüler möglichst kurze Wege zu ihren Schulen haben sollen. Unser Land ist ländlich geprägt. Dennoch funktioniert der Schülerverkehr bisher grundsätzlich gut; die meisten Schülerinnen und Schüler erreichen ihre Schulen mit dem Bus oder anderen öffentlichen Verkehrsmitteln. Das entbindet uns aber nicht von der Verantwortung, den öffentlichen Nahverkehr weiter zu verbessern und insbesondere bei Ausfällen verlässliche Ersatzlösungen zu gewährleisten. Eine bessere Erreichbarkeit von Schulen und Bahnhöfen sowie sichere Verkehrswege für Kinder und Jugendliche gehören deshalb zu den wichtigen Aufgaben für die Zukunft.

Die Schulpflicht halten wir auch in dünn besiedelten Gebieten grundsätzlich für sinnvoll und notwendig. Schule ist nicht nur ein Ort, an dem Wissen vermittelt wird. Sie ist auch ein sozialer Lebensraum: Schülerinnen und Schüler verbringen dort einen großen Teil ihres Tages, organisieren ihn gemeinsam, schließen Freundschaften, unterstützen sich gegenseitig und entwickeln soziale Kompetenzen. Diese Erfahrungen sind für die persönliche Entwicklung und für das spätere Leben von großer Bedeutung. Schule schafft zudem mehr Chancengleichheit, weil Bildung nicht davon abhängen darf, welche technischen Möglichkeiten, welche Unterstützung oder welche Lernbedingungen ein Kind zu Hause vorfindet.

Die Erfahrungen während der Corona-Pandemie haben gezeigt, dass Homeoffice beziehungsweise Distanzunterricht kein gleichwertiger Ersatz für den regulären Schulbesuch sein kann. Viele Eltern standen vor der schwierigen Aufgabe, ihre berufliche Tätigkeit mit der Betreuung und Begleitung ihrer Kinder zu verbinden. Besonders Frauen mussten dabei häufig zusätzliche Belastungen übernehmen und sind an ihre Grenzen geraten. Auch die Schülerinnen und Schüler selbst waren psychisch stark gefordert. Zudem verfügten nicht alle Familien über geeignete Endgeräte, eine stabile Internetverbindung oder die notwendige Unterstützung zu Hause. Untersuchungen zum Distanzunterricht in Sachsen-Anhalt haben ebenfalls auf unterschiedliche häusliche Voraussetzungen und Einschränkungen beim sozialen Lernen hingewiesen.

Digitale Lernangebote, kuratierte Lernvideos und zeitweise Formen des Distanzunterrichts können deshalb eine sinnvolle Ergänzung sein.  Sie dürfen aber nicht zum Vorwand werden, notwendige Investitionen in Schulen und den öffentlichen Nahverkehr zu vermeiden. Wo der Schulweg zu lang oder der Schülerverkehr unzuverlässig ist, müssen wir zuerst die Infrastruktur und die Organisation verbessern: durch verlässliche Busverbindungen, gute Anschlussplanung, erreichbare Ansprechstellen und geeignete Ersatzverkehre.

Unser politischer Maßstab ist, dass der Wohnort eines Kindes nicht über seine Bildungschancen entscheiden darf. Deshalb setzen wir uns für möglichst wohnortnahe Schulen und einen verlässlichen, gut abgestimmten Schülerverkehr ein. Im SPD-Wahlprogramm Sachsen-Anhalt wird betont, dass gleichwertige Lebensbedingungen in allen Regionen gewährleistet werden müssen und der öffentliche Nahverkehr alle Orte erschließen 

Als SPD in Sachsen-Anhalt setzen wir uns deshalb für beides ein, für wohnortnahe Schulen und einen funktionierenden Schülerverkehr ebenso wie für eine leistungsfähige digitale Ausstattung und zeitgemäße Lernformen. Unser Ziel ist, dass kein Kind wegen seines Wohnortes Nachteile hat, weder durch einen unzumutbar langen Schulweg noch durch ungleiche Voraussetzungen beim digitalen Lernen. Die Schulpflicht bleibt damit sinnvoll, sie muss aber durch gute Schulen, verlässliche Mobilität und faire Bildungschancen vor Ort abgesichert werden.

Mit freundlichen Grüßen
 Katrin Gensecke 

MdL-SPD Fraktion Sachsen-Anhalt

Sprecherin f. Soziales, Gleichstellung u. Inklusion
 

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