Ich stehe in der Oberstadt Siegen vor der bekannten Nikolaikirche. Um meinen Hals trage ich einen schönen roten Schal der Linken.
Katrin Fey
Die Linke
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Frage von Bernhard A. •

Wie stehen Sie zur Zwangsprostitution junger Frauen am Nürnberger Hauptbahnhof?

Sehr geehrte Frau Fey,

können Sie bitte kurz erläutern, was genau Sie daran lustig finden, daß beispielsweise in Nürnberg junge Frauen drogenabhängig und dann zwangsprostituiert werden?

Diese Frage kann man als ungewöhnlich betrachten, ich erachte sie jedoch als relevant, um Ihre Tätigkeiten als Sprecherin der Grünen für Bürger- und Menschenrechte, Obfrau im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe und Mitglied im Innenausschuss besser beurteilen zu können.

Zur Erinnerung:

(Dr. Alice Weidel)

Am Hauptbahnhof von Nürnberg, der Heimat des CSU-Vorsitzenden Markus Söder, machen Migrantenbanden minderjährige deutsche Mädchen mit Drogen gefügig, um sie als Sexsklaven zu missbrauchen.

(Lachen der Abg. Katrin Fey (Die Linke) - Zuruf der Abg. Mayra Vriesema (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))

Quellen:

https://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/vorlaeufig/vorlaeufig-196520

https://www.polizei.bayern.de/aktuelles/pressemitteilungen/103066/index.html

Ich stehe in der Oberstadt Siegen vor der bekannten Nikolaikirche. Um meinen Hals trage ich einen schönen roten Schal der Linken.
Antwort von Die Linke

Guten Tag, 

Vielen Dank für Ihre Frage zu diesem Vorgang. Eins aber vorweg: ich bin NICHT bei den Grünen, wie eigentlich auch aus meinem Profil hier deutlich wird, sondern seit 2017 Mitglied der Partei Die Linke. 

Grooming und jede andere Form sexueller Ausbeutung, sexualisierter Gewalt und des Menschenhandels müssen strafrechtlich verfolgt und klar verurteilt werden. Wer Frauen und Mädchen wirklich schützen möchte, muss zudem die Forderungen von Fach- und Betroffenenverbänden nach umfassender Aufklärungsarbeit, flächendeckender Finanzierung von Beratungsstellen, Jugendzentren und Schutzräumen ernst nehmen – und anfangen, sie umzusetzen.

Opfer sexualisierter Gewalt nur dann zu erwähnen, wenn sie für rassistische Narrative instrumentalisiert werden können, und gleichzeitig Maßnahmen abzulehnen, die Betroffene nachweislich schützen würden, hilft dagegen niemandem – außer den Tätern.                   

Dass ausgerechnet die Partei, die sich eine „gezielte Politik für Männer“ zum Programm macht und dem Sexisten, Sexualstraftäter und Epstein-Freund Donald Trump hofiert wie keine andere, sich nun als Verteidigerin von Frauen und Mädchen inszenieren will, ist absurd.

Genau dieser Absurdität – und nichts anderem – galt mein Lachen im Plenarsaal.

Bei meiner Reaktion ging es genauso wenig um die Opfer sexualisierter Gewalt, wie es in der Rede von Frau Weidel um sie ging: gar nicht.

Die aktuell diskutierte Rede von Frau Weidel war keine fachpolitische Rede zum Thema Grooming, sondern ein allgemeiner Beitrag, wie er im Rahmen von Antworten auf Regierungserklärungen üblich ist. Diese Bühne nutzt die AfD regelmäßig für Hetztiraden, in denen sie inhaltlich vor allem ein Ziel verfolgt: Die Ursache für jedes erdenkliche politische Problem in der Migrationspolitik zu suchen – und sich so erst gar nicht um differenzierte Positionen oder reale Lösungsansätze bemühen zu müssen.

Diese Strategie ist nichts Neues; bei Themenfeldern wie dem der sexualisierten Gewalt aber besonders perfide. Durch das rassistische Framing werden unzählige Opfer unsichtbar gemacht – darunter strukturell benachteiligte Mädchen und Frauen mit Migrationsgeschichte. Täter, die nicht dem von AfD & Co gezeichneten Bild entsprechen, bleiben dagegen unbehelligt.

Und daran — das möchte ich betonen — ist überhaupt nichts lustig.

Sollte durch meine Reaktion der Eindruck entstanden sein, ich würde dieses Vorgehen der AfD, das Leid der Betroffenen in Nürnberg oder gar das Thema sexualisierte Gewalt im Allgemeinen nicht ernst nehmen, bedauere ich das sehr.

Diesbezüglich kann ich nur dazu einladen, sich anhand meiner Arbeit und meines Lebenswegs ein eigenes Bild von mir zu machen – und kritisch zu prüfen, wessen Stimme in einer solchen Debatte Gehör geschenkt wird.

Ob Personen wie „Nius“-Kommentator Julian Reichelt, der 2021 nach Vorwürfen im Zusammenhang mit Machtmissbrauch und sexuellen Beziehungen zu Mitarbeitenden seinen Posten als BILD-Chefredakteur verlor, authentische Vertreter des Betroffenenschutzes sind, muss letztlich jede*r für sich entscheiden.

Ich für meinen Teil möchte die Aufmerksamkeit, die mir in den letzten Tagen zuteil geworden ist, nutzen, um noch einmal auf Organisationen wie die Nürnberger Beratungsstelle LILITH e.V. hinzuweisen, deren Forderungen ich teile und unterstütze.

Grooming betrifft eine heterogene Gruppe junger Mädchen. Täter kommen häufig aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen. Aus solchen Fällen lässt sich nicht ableiten, dass dieses Phänomen an eine bestimmte Nationalität oder ein bestimmtes Alter gebunden wäre.

Entscheidend ist deshalb, Organisationen, Beratungsstellen und Schutzangebote finanziell und personell gut auszustatten. Ebenso braucht es aufsuchende Jugendsozialarbeit vor Ort – etwa an Bahnhöfen und anderen Orten, an denen gefährdete Jugendliche erreichbar sind. Strafrechtliche Konsequenzen allein zu propagieren, reicht nicht aus. Sie sind notwendig, aber ersetzen keinen Opferschutz. Hinzu kommt, dass psychotherapeutische Angebote für Kinder und Jugendliche weiterhin unzureichend sind; zuletzt wurden Honorare für Fachtherapeut*innen sogar gekürzt.

Zu all dem konnte ich bisher keinerlei ernsthafte Initiativen aus den Reihen der AfD vernehmen.

Ich hoffe dennoch auf eine sachliche Weiterführung der Debatte, die den Fokus zurück auf die Bedürfnisse und Forderungen der Betroffenen sexualisierter Gewalt lenkt und bedanke mich bei allen, die ihren Teil dazu beitragen.

Allen Betroffenen und ihren Familien wünsche ich weiterhin viel Kraft.

Was möchten Sie wissen von:
Ich stehe in der Oberstadt Siegen vor der bekannten Nikolaikirche. Um meinen Hals trage ich einen schönen roten Schal der Linken.
Katrin Fey
Die Linke

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