Kathrin Flach Gomez
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Frage an Kathrin Flach Gomez von Michael v. bezüglich Gesellschaftspolitik, soziale Gruppen

Was werden Sie und Ihre Partei unternehmen, um Asylmissbrauch zu verhindern?

Frage von Michael v. am
Kathrin Flach Gomez
Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 6 Tage

Sehr geehrter Herr Lüttwitz,

ich bin der festen Überzeugung, dass kein Mensch aus Spaß und Abenteuerlust den weiten, beschwerlichen Weg nach Deutschland oder Europa auf sich nimmt, um Asyl oder Bleiberecht für sich zu beanspruchen. Dementsprechend kann ich das Phänomen, das Sie als "Asylmissbrauch" bezeichnen, beim besten Willen nicht erkennen.

Vielmehr wurde der Begriff "Asylmissbrauch" bereits in den 90er Jahren verwendet, um Geflüchtete und Migrant*innen zu diskreditieren, indem man ihnen unterstellt, lediglich einzureisen, um hier von den Sozialsystemen zu profitieren. Auch seit 2015 wird der Begriff wieder verstärkt verwendet, um das Thema Asyl und Migration zu problematisieren, statt pragmatisch, lösungsorientiert und vor allem menschenfreundlich mit dem seit Menschengedenken bestehenden Phänomen der Migration umzugehen. Ich sehe daher in dieser Begrifflichkeit lediglich eine Art, das Sagbarkeitsfeld des Diskurses um Asyl und Migration hin zu Hetze und nationalistischen Ressentiments zu verschieben und verurteile diese Bestrebung zutiefst!

Ein Blick auf die Zahlen, kann helfen: Im Jahr 2016 wurden beispielsweise lediglich 25% der gestellten Asylanträge abgelehnt. Auch die Menschen, die hinter diesen 25% der abgelehnten Anträge stehen, sind jedoch sicherlich nicht grundlos geflohen oder migriert.

Oftmals handelt es sich dabei nämlich um Menschen, die z.B. aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Minderheit in ihrem Herkunftsstaat diskriminiert werden. Und auch Menschen aus vermeintlich sicheren Herkunftsstaaten, wie Afghanistan, sind Teil dieser Gruppe. Dass aber z.B. Afghanistan mitnichten ein sicheres Herkunftsland ist, sollte bekannt sein. Zudem fallen unter diese Gruppe auch Menschen, die vor Armut, Hunger, Naturkatastrophen und fehlenden Perspektiven in ihrer Heimat fliehen. Auch diesen Menschen sollte ein Bleiberecht nicht verwehrt werden. Denn wie würde man/frau denn selbst reagieren, wenn die Zustände im Heimatland einen dortigen Verbleib nicht zulassen?

Vorbeugend möchte ich auch noch auf die Zahl der flüchtenden Menschen weltweit in Relation zu Deutschland eingehen:

Weltweit sind derzeit etwa 69 Millionen Menschen auf der Flucht. Etwa 40 Millionen dieser Flüchtenden fliehen innerhalb ihres eigenen Landes. 85% aller Flüchtenden fliehen in sogenannte Entwicklungsländer (dh. innerhalb des eigenen Landes oder in ein angrenzendes Land). Nur 15% aller Flüchtenden gelangen in ein Land mit hohem Einkommen. Selbst 2015 gingen nur 1,3 Millionen Asylanträge in Deutschland ein. Wenn man Deutschland nun in Schulklassen aufteilen würde (a 25 Schüler*innen), hätte man in jeder dritten Klasse ein neues Gesicht zu integrieren. Als Lehrerin würde ich sagen: WIR SCHAFFEN DAS! ;)

Mit freundlichen Grüßen,
Kathrin Flach Gomez