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Kathrin Anders
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Frage von Katja T. •

Werden Sie sich gegen eine mögliche Budgetierung der Psychotherapie einsetzen, welche die Versorgung massiv verschlechtern würde und hohe Folgekosten hätte?

Ich arbeite seit 2020 als approbierte Psychotherapeutin in der ambulanten Versorgung und helfe täglich Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wieder am gesellschaftlichen Leben, dem Schulalltag und am Arbeitsleben teilzunehmen. Das spart uns allen in Zukunft viel Geld - die Kosten meiner Berufsgruppe am den gesamten Gesundheitsausgaben sind nach wie vor marginal.

Hier sind die wichtigsten Fakten, die verdeutlichen sollten, wie absurd es wäre bei uns einfach nur zu kürzen - das macht Versorgung nicht effektiver - sondern einfach nur schlechter verbunden mit hohen gesellschaftlichen Folgekosten.

https://www.dptv.de/fileadmin/Redaktion/Bilder_und_Dokumente/Aktuelles_News/Pressemitteilungen/2026/20260414_Faktenblatt_Verguetung_Psychotherapie.pdf

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau T.,

vielen Dank für Ihre Frage über Abgeordnetenwatch zu den Honorarkürzungen für psychotherapeutische Leistungen und das damit verbundene Engagement. Ich möchte Ihnen zunächst sagen: Wir GRÜNE teilen Ihre Kritik und Ihre Sorgen in vollem Umfang. Gesundheitspolitisch ist die Absenkung der psychotherapeutischen Leistungen im Hinblick auf die schon derzeit bestehenden Versorgungslücken im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung höchst problematisch. Es ist völlig unverständlich, dass ausgerechnet Psychotherapeut:innen nun weniger für die Behandlung von GKV-Versicherten erhalten. Psychotherapeutische Arbeit muss adäquat finanziert werden.

Das Faktenblatt Vergütung Psychotherapie, auf welches Sie verweisen, beschreibt eindrücklich, welche Folgen diese Entscheidung haben kann: für die Patient:innen, die noch länger auf Hilfe warten müssen, für die Therapeut:innen, die unter immer prekäreren Bedingungen arbeiten, für die nächste Generation von Fachkräften, deren Ausbildung nun zusätzlich gefährdet ist und letztliche auch für die Gesamtgesellschaft, die die Folgekosten unbehandelter psychischer Erkrankungen tragen muss. Das Faktenblatt macht sehr deutlich, was auf dem Spiel steht. 

Auch die angesprochene gleichstellungspolitische Dimension dieser Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses halte ich für sehr wichtig. Dass ein stark beziehungsorientiertes und überwiegend von Frauen ausgeübtes Berufsfeld im Gesundheitssystem finanziell schlechter gestellt ist, wirft grundlegende Fragen der Bewertung von Versorgungsarbeit und der Gleichstellung auf. 

Grundsätzlich sind Honorarvereinbarungen eine Angelegenheit der Selbstverwaltung und es ist richtig, dass diese nicht politisch getroffen werden. Aus diesem Grund ist eine direkte politische Einflussnahme weder möglich noch sinnvoll. Dennoch äußere ich mich in dieser Angelegenheit auch dezidiert politisch mit Kritik an dieser Entscheidung – da sie ganz wesentlich die Gesundheitsversorgung berührt.

In einer Situation, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung stetig steigt und Praxen zugleich unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, ist eine pauschale Honorarkürzung ein absolut verheerendes Signal. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten und Fehlanreize zu Ungunsten von GKV-Versicherten entstehen, gefährdet das die psychotherapeutische Versorgung und verursacht hohe Folgekosten.

Wir brauchen nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen, um die bestehende Fehlsteuerung und die finanzielle Schieflage innerhalb des Gesundheitssystems zu lösen – keine pauschalen Kürzungen.

Durch vielfältige gesellschaftliche Krisen erleben wir derzeit einen Anstieg psychischer Belastungen, besonders unter Kindern und Jugendlichen. Das Hilfesystem wird der steigenden Nachfrage nach Unterstützungs- und Behandlungsbedarfen zunehmend nicht mehr gerecht und stößt schon heute an seine Kapazitätsgrenzen. Eine neue Bedarfsplanung, die endlich die Realität psychischer Erkrankungen abbildet, ist überfällig. Unser Ziel sind mehr Hilfen und weniger Stigma. 

In meiner Zuständigkeit für das Thema für die GRÜNE Fraktion im Hessischen Landtag werde ich – ebenso wie meine Kolleg:innen auf Bundesebene – weiterhin für die Schaffung angemessener finanzieller Rahmenbedingungen für (angehende) Psychotherapeutinnen und -therapeuten sowie für eine Verbesserung der Versorgung einstehen. Psychische Gesundheit darf nicht vom Versicherungsstatus abhängen. Sie muss Priorität haben – in der Gesundheitspolitik, aber auch in der Arbeitswelt, der Bildung und der Sozialpolitik. 

Mit freundlichen Grüßen

Kathrin Anders

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