Foto von Katharina Dröge, aufgenommen im Deutschen Bundestag im Juli 2025.
Katharina Dröge
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Florian B. •

Wie begegnen Sie dem Risiko einer KI-bedingten Arbeitslosenwelle? Welche konkreten Maßnahmen wurden bereits beschlossen oder geplant, ab wann greifen sie,wie sieht Ihre langfristige KI-Strategie aus.

Der zunehmende Einsatz von KI wird laut zahlreichen Studien in den kommenden Jahren erhebliche Rationalisierungseffekte haben. Betroffen sind nicht nur einfache Tätigkeiten, sondern zunehmend auch Verwaltung, IT, Planung und wissensbasierte Berufe.

Vor diesem Hintergrund interessiert mich: – Wie schätzen Sie das Risiko struktureller Arbeitsplatzverluste durch KI in den nächsten 5–10 Jahren ein?

– Welche konkreten politischen Maßnahmen existieren bereits (z. B. Weiterbildung, Umschulung, soziale Absicherung, neue Arbeitsmodelle)?

– Falls sich Maßnahmen noch in Planung befinden: Ab wann ist mit umsetzungsreifen Programmen oder Gesetzesinitiativen zu rechnen?

– Welches langfristige Zielbild verfolgen Sie beim Zusammenspiel von KI, Erwerbsarbeit und sozialer Teilhabe?

Ich bitte um eine konkrete und möglichst faktenbasierte Antwort.

Foto von Katharina Dröge, aufgenommen im Deutschen Bundestag im Juli 2025.
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Lieber Herr B.

vielen Dank für Ihre Nachricht. 

Als grüne Bundestagsfraktion halten wir das Risiko eines strukturellen Wandels auf dem Arbeitsmarkt durch KI für wahrscheinlich, aber politisch gestaltbar. 

In den nächsten Jahren ist mit erheblichen Umbrüchen in vielen Berufen zu rechnen – angefangen bei IT, Verwaltung und anderen wissensbasierten Tätigkeiten. Studien zeigen, dass viele Jobs sich stark verändern, während insgesamt eher eine Verschiebung als ein plötzlicher Beschäftigungseinbruch zu erwarten ist, wenn aktiv gegengesteuert wird. (s. https://doku.iab.de/forschungsbericht/2025/fb2325.pdf)

Bereits heute stehen zahlreiche Weiterbildungs- und Qualifizierungsinstrumente im Rahmen des SGB 3 (d.h. der Arbeitslosenversicherung) zur Verfügung. Wir als grüne Fraktion wollen diese zu einer echten Arbeitsversicherung auszubauen: mit Rechtsanspruch auf Weiterbildung, besserer Beratung und zielgenauerer Förderung für Beschäftigte in vom Strukturwandel und KI besonders betroffenen Branchen. Bereits während der Ampel haben wir ein Qualifizierungsgeld eingeführt und Weiterbildungszugänge von Beschäftigten spürbar vereinfacht. Ziel war, dass Unternehmen Beschäftigte für Qualifizierung im Transformationsprozess freistellen können, ohne Entlassungen vorzunehmen. 

Langfristig verfolgen wir Grüne das Leitbild einer KI, die Menschen unterstützt statt ersetzt. Erwerbsarbeit bleibt wichtig für Einkommen, Sinn und Teilhabe. Deshalb sollen Sozialstaat, Mitbestimmung und Arbeitsförderung so weiterentwickelt werden, dass niemand durch den technologischen Wandel dauerhaft abgehängt wird. KI‑bedingte Produktivitätsgewinne sollen in Form von sicherer Arbeit, mehr Zeitwohlstand, guter Bildung und sozialer Teilhabe bei allen ankommen – nicht nur in höheren Gewinnen einiger Weniger.

Viele Grüße

Team Dröge 

 

 

 

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