Hallo Herr Laumann, wann reagieren Sie und Ihre Partei endlich auf die Auswirkungen des Klimawandels?
Sehr geehrte Frau D.,
vielen Dank für Ihre Zuschrift und die Frage, wann wir endlich auf die Auswirkungen des Klimawandels reagieren. Ihre Ungeduld nehme ich sehr ernst – sie spiegelt die Sorgen vieler Menschen wider, die die Folgen des Klimawandels zunehmend unmittelbar erleben.
Zunächst: Der wissenschaftliche Konsens zum menschengemachten Klimawandel steht für mich und für die Union nicht infrage. Die Erderwärmung ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Entscheidend ist für mich, dass Klimaschutz, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und soziale Ausgewogenheit zusammen gedacht werden. Wir wollen Industrieland bleiben und zugleich klimaneutral werden – nicht das eine gegen das andere ausspielen.
Gerade in Nordrhein-Westfalen zeigt sich, dass wir nicht nur über Klimaschutz reden, sondern handeln:
- NRW hat seine Treibhausgasemissionen seit 1990 bis 2024 bereits um rund 51 % reduziert und liegt damit über dem Bundesdurchschnitt von rund 48 %.
- Ein wesentlicher Beitrag dazu ist der vorgezogene Kohleausstieg im Rheinischen Revier: Die RWE-Kraftwerksblöcke Neurath F und G sowie Niederaußem K gehen nicht erst 2038, sondern bereits Ende März 2030 vom Netz. Rund 280 Millionen Tonnen Braunkohle – und damit CO₂– bleiben dadurch in der Erde.
Wir setzen bewusst auf einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und auf Investitionen in eine klimafreundliche Industrie:
- Beim Ausbau der Windenergie ist NRW bundesweit an der Spitze: Allein 2025 wurden 259 neue Anlagen mit rund 1,3 Gigawatt Leistung in Betrieb genommen – etwa 30 % des deutschen Zubaus. Es liegen bereits über 1.600 weitere Genehmigungen mit mehr als 6.000 Megawatt vor. Unser Ziel von 1.000 neuen Windrädern bis 2027 werden wir voraussichtlich deutlich übertreffen.
- Auch beim Solarzubau gehört NRW zur Spitzengruppe.
- Mit der Zukunftsoffensive NRW: Investieren, vorsorgen, schützen stellt das Land rund 2 Milliarden Euro für zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen bereit. Zusammen mit drei bereits beschlossenen Klimaschutzpaketen bringt die Landesregierung insgesamt über 5 Milliarden Euro für Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und eine moderne, ressourceneffiziente Infrastruktur auf den Weg.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Dekarbonisierung von Wärme und Industrie:
- Mit dem Landeswärmeplanungsgesetz, dem Masterplan Geothermie und einem landeseigenen Absicherungsfonds für Tiefengeothermie stellen wir die Weichen für eine verlässliche und bezahlbare klimafreundliche Wärmeversorgung.
- Beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft verfolgt Nordrhein-Westfalen das Ziel, Wasserstoffland Nummer 1 zu werden. Bis 2027 stellt das Land rund 1 Milliarde Euro dafür bereit, unter anderem für Projekte wie „grünen Stahl“ bei Thyssenkrupp Steel in Duisburg. Ab 2026 gehen erste Wasserstoffleitungen in Betrieb, bis 2032 entsteht ein Wasserstoffkernnetz von rund 2.000 Kilometern in NRW.
Mir ist bewusst: All diese Maßnahmen ändern die Situation nicht von heute auf morgen, und viele Menschen wünschen sich mehr Tempo. Diese Erwartung ist berechtigt. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass ein Klimaschutz, der wirtschaftliche Realitäten und soziale Ausgewogenheit ignoriert, keine dauerhafte Mehrheit findet – und damit auch keinen nachhaltigen Erfolg haben kann.
Klimaschutz gelingt nur miteinander: mit den Menschen in unserem Land, mit den Kommunen und mit den Betrieben, nicht über ihre Köpfe hinweg. Dafür setze ich mich in Nordrhein-Westfalen ein: für eine Politik, die ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Vernunft verbindet und unser Land gleichzeitig klimafreundlich und wirtschaftlich stark hält.
Ich danke Ihnen nochmals für Ihre Frage und Ihr Engagement für den Klimaschutz und wünsche Ihnen alles Gute.
Mit freundlichen Grüßen
Karl-Josef Laumann
