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Karl-Heinz Florenz
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Frage von Herbert D. •

Frage an Karl-Heinz Florenz von Herbert D. bezüglich Landwirtschaft und Ernährung

Sehr geehrter Herr Florenz,

immer weniger Sorten landen auf unseren Tellern. Die Vielfalt unserer Nutzpflanzen ist in Gefahr. Egal ob Getreide, Gemüse oder Obst: Eine Handvoll großer Weltkonzerne versucht, den globalen Saatgutmarkt zu kontrollieren. Hilfreich dabei sind Patente auf Züchtungen sowie gesetzgeberische Vorgaben zugunsten der Konzerne, zum Beispiel auch in der EU. Denn längst haben die Lobbyisten erkannt, wie man mit Saatgut Milliarden verdienen kann. Kleine Zuchtbetriebe kämpfen immer härter um ihr Überleben. Und um die Rettung des vielfältigen Saatguts.
Quelle:planet-e (ZDF: http://www.zdf.de/planet-e/die-saatgut-retter-weltkonzerne-versuchen-den-globalen-saatgutmarkt-zu-kontrollieren-die-vielfalt-unserer-nutzpflanzen-ist-in-gefahr-32216022.html )
Bitte anschauen um meine Fragen zu beantworten.

Zuchtbetriebe kämpfen immer härter um ihr Überleben. Und um die Rettung des vielfältigen Saatguts. In allen Supermärkten Europas liegen dieselben Obst- und Gemüsesorten in den Regalen. Der Grund: Immer stärker bestimmen Saatgut-Konzerne den Lebensmittelmarkt - unterstützt von der EU. Sie verkaufen Hochleistungssorten, die Landwirte nicht mehr selbst vermehren können, sondern nach jeder Ernte neu hinzukaufen müssen. Nur noch selten erhalten Neuzüchtungen, die zum Nachsäen geeignet sind, überhaupt noch eine Zulassung. Jetzt plant die EU diese Regelungen, die große Konzerne bevorzugen, sogar noch auszuweiten.

Herr Florenz, werden Sie im Interesse der Bürger, der Landwirte und kleinen Zuchtbetriebe sich für die Vielfalt unserer Nutzpflanzen und sich gegen die Interessen der Konzerne stellen?

Und wann ist BIO nun BIO (Video: ab Minute 16)? Darf ich als Verbraucher und freier Bürger erwarten, dass ich natürliche Bio-Lebensmittel erwerben kann und diese leicht von im Labor erzeugte Bio-Lebensmitteln (aus Laborsaatgut gewonnen) unterscheiden kann?
Werden Sie sich für die Nahrungsvielfalt und deren Nachhaltigkeit einsetzen?

Mit freundlichen Grüßen

Herbert Derksen

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Antwort von
CDU

Sehr geehrter Herr Derksen,

vielen Dank für Ihre Nachricht und bitte entschuldigen Sie die verspätete Antwort.

Als Landwirt und Umweltpolitiker, der sich seit Jahren für Klimaschutz und Nachhaltigkeit stark macht, setze ich mich, genauso wie Sie, für Biodiversität und die Vielfalt unserer Nutzpflanzen und unseres Saatguts ein. Es ist richtig, dass die Europäische Kommission eine Überarbeitung der Saatgutverordnung, mit der der Einsatz von Saatgut einheitlich geregelt werden sollte, vorgeschlagen hatte. Diese wurde allerdings am 11. März 2014 von uns Europaparlamentariern mit großer Mehrheit (650 zu 15 Stimmen) abgelehnt und somit zurückgewiesen. Die Kritikpunkte des Europäischen Parlaments waren, dass für den weiteren Vertrieb einer Vielzahl lokaler, seltener und alter Sorten die Verordnung unüberwindbare bürokratische und finanzielle Hürden aufbauen könnte. Auch waren viele Abgeordnete besorgt darüber, dass zwölf Richtlinien in eine einzige unmittelbar geltende Verordnung gegossen werden sollten, ohne Spielraum für die Mitgliedstaaten, die neuen Regeln an ihre eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Die ökologische Landwirtschaft dient der Erzeugung von Nahrungsmitteln unter Beachtung der natürlichen Lebenszyklen. Die EU-Rechtsvorschriften stellen sicher, dass "Bio" und "Öko" für Verbraucher und Erzeuger in der gesamten EU dasselbe bedeuten. Nur Produkte, die die Vorschriften der sogenannten Öko-Verordnung (EG) Nr. 834/2007 erfüllen, dürfen als "Bio" bezeichnet werden. Was das EU-Bio-Logo garantiert, finden Sie hier: http://ec.europa.eu/agriculture/organic/consumer-trust/certification-and-confidence/the-organic-logo-guarantees/index_de.htm .
Die Europäische Kommission hat Anfang des Jahres eine Reform der europäischen Öko-Verordnung vorgestellt. Darin möchte sie strengere Kontrollen einführen und schränkt die erlaubten Ausnahmen im Biosektor ein – etwa den Einsatz von konventionellem Futter oder Saatgut.
Das Europäische Parlament wird sich in der neuen Legislaturperiode mit diesem Gesetzesvorschlag befassen und sich auch die Frage des Bio-Saatgutes genau ansehen. Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen weiterhelfen, und verbleibe

mit freundlichen Grüßen,

Ihr Karl-Heinz Florenz