Wie wäre die Entscheidung, Therapiestunden zu deckeln angesichts des offensichtlichen Versorgungsmangels und des steigenden Bedarfs an psychotherapeutischer Hilfe überhaupt noch zu rechtfertigen?
Sehr geehrter Herr Schmidt,
mit Fassungslosigkeit verfolge ich die Diskussionen über weitere Einschränkungen der psychotherapeutischen Versorgung. Nachdem die Honorare niedergelassener Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bereits um 4,5 % gekürzt wurden, wird nun auch eine Deckelung der wöchentlichen Therapiesitzungen erwogen.
Schon heute reichen Therapieplätze für den bestehenden Bedarf nicht aus. Die Nachfrage steigt stetig, während die vorhandenen Kapazitäten vielerorts bereits ausgeschöpft sind. Eine Begrenzung der Therapiesitzungen würde die Versorgungslage in einen krisenhaften Zustand treiben, u.a. unzumutbare Wartezeiten und notwendige Behandlungen verzögern oder verhindern.
Die Folgen träfen Betroffene und damit Beitragszahler und bedeuten langfristig auch höhere Kosten durch Krankheitsausfälle, Chronifizierung und stationäre Behandlungen.
Sehr geehrter Herr G.,
vielen Dank für Ihre Nachricht bezüglich der Diskussionen um Einschränkungen in der psychotherapeutischen Versorgung.
Die von Ihnen beschriebene Problematik der unzureichenden Therapieplätze und der stetig steigenden Nachfrage ist uns bekannt. Wir teilen Ihre analytische Einschätzung, dass unbehandelte Erkrankungen und unzumutbare Wartezeiten zu einer Chronifizierung führen. Dies resultiert langfristig in deutlich höheren volkswirtschaftlichen Kosten durch Arbeitsausfälle und teure stationäre Behandlungen!
Unser Programm fokussiert sich darauf, eine soziale Spaltung im Gesundheitssystem zu verhindern. Honorarkürzungen, wie die von Ihnen erwähnten 4,5 Prozent, bewerten wir kritisch, da sie erfahrungsgemäß zu einem Rückzug aus der kassenärztlichen Versorgung führen, Selbstzahlerleistungen fördern und somit die Versorgungslage weiter verschärfen.
Gleichzeitig hält unser Programm fest, dass aufgrund der beträchtlich gestiegenen Kosten im Bereich der Psychotherapie Kontrollmechanismen notwendig sind, um übermäßige Ausgaben zu vermeiden. Diese Mechanismen müssen jedoch primär darauf abzielen, Fehlsteuerungen zu identifizieren, und dürfen nicht in pauschalen Deckelungen resultieren, die notwendige Akutbehandlungen verhindern und die von Ihnen korrekt skizzierten Folgekosten nach sich ziehen.
Mit freundlichen Grüßen
Julian Schmidt

