DIE GRÜNEN

Frage an Julia Schmidt von Hjr Crfpury bezüglich Schulen

27. August 2019 - 20:14

Wie haben Sie sich für Kreativität und innovative Projekte an unseren Schulen eingesetzt?
Wie stellen Sie sich wirksame Medienbildung vor?
Werden Sie sich wie für Gewaltprävention engagieren -> Mobbing, Bossing, Stuffing ?

Welche Veränderungen werden Sie in den Kontexten Schulaufsicht, „Testeritis“, Schulvisitation, …, Schulrecht, sogenannte überregionale Rechtsangelegenheiten
bis hin zu Zweigstellen der Schulämter und ggf. des LISUM politisch auf den Weg bringen?

Frage von Hjr Crfpury
Antwort von Julia Schmidt
30. August 2019 - 09:22
Zeit bis zur Antwort: 2 Tage 13 Stunden

Sehr geehrter Herr Crfpury,

vielen Dank für Ihre Frage zu einem Thema, das mir persönlich auch sehr wichtig ist. Als junger Mensch ist meine eigene Schulzeit noch gar nicht so lange her und ich weiß wie präsent gerade Themen wie z.B. (Cyber-)Mobbing an unseren Schulen sind. Bereits als Schülersprechrin habe ich mich damals für bessere Bedingungen, mehr Kreativität und technische Innovationen an unserer Schule eingesetzt und die Interessen der Schülerinnen und Schüler gegenüber der Schulleitung vertreten.

Grundsätzlich wollen wir Bündnisgrüne die Kulturelle Bildung stärken und allen Kindern und Jugendlichen während ihrer Schulzeit vielfältige Begegnungen mit Kultur ermöglichen. Das Förderprogramm "Klasse Kunst" und "Klasse Musik" wollen wir ausbauen und damit eine bessere Ausstattung ermöglichen. Wir wollen jungen Menschen schon früh die Möglichkeit geben, sich kreativ zu entfalten, eigene Ideen zu entwickeln und handwerkliche Fähigkeiten zu erwerben. Wir wollen deshalb in unseren Schulen mehr Freiräume für kreative und offene Projekte schaffen. Dazu soll das Land an allen weiterführenden Schulen offene Werkstätten (sogenannte „FabLabs", die 3D-Drucker und andere Geräte bereitstellen) einrichten, um Schüler*innen Räume zur kreativen Entfaltung zu geben. Die Raumempfehlungen wollen wir im Hinblick auf moderne Pädagogik und Inklusion aktualisieren. Dazu hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag auch einen Antrag gestellt ( https://www.gruene-fraktion-brandenburg.de/fileadmin/ltf_brandenburg/Do… ). Wir werden ein Förderprogramm für die Sanierung oder den Neubau von Schulen auflegen, um offene Raumkonzepte zu differenziertem Unterricht im Ganztagsbetrieb zu ermöglichen.
 
Wir wollen Kinder und Jugendliche zu souveränen, aktiven Netzteilnehmer*innen machen. Medienbildung unter fachübergreifenden und fächerverbindenden Aspekten ist Querschnittsaufgabe jeden Unterrichts. Programmieren kann schon spielerisch in der Kita gelernt werden und sollte auch in der Grundschule auf dem Stundenplan stehen. An allen weiterführenden Schulen wollen wir Informatik oder das neue Fach „Digitale Welten" als Wahlpflichtfach etablieren. Neben technischen Fähigkeiten müssen im Unterricht auch essentielle Kenntnisse zu ethischen, rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen unseres technischen Lebensumfelds vermittelt werden. Über Chancen, Gefahren und Risiken des Netzes wollen wir Kinder und Jugendliche umfassend aufklären. Wir wollen mit einem integrierten Konzept gemeinsam mit den Kommunen die technische Ausstattung an allen Brandenburger Schulen für innovativen, digital gestützten Unterricht auf den erforderlichen Stand bringen. Dazu gehören ein Breitbandanschluss, WLAN und Medienbeauftragte für alle Schulen. Auf einer landesweiten Plattform wollen wir freie Lernangebote (Open Educational Resources) zugänglich machen und so den Austausch zwischen Lehrer*innen unterstützen. Wir werden auch die außerschulische Medienarbeit stärken und die Kooperation mit Schulen und Kitas fördern. Wir wollen einen Runden Tisch Medienbildung etablieren, um alle beteiligten Akteur*innen besser zu vernetzen.

 Gewaltprävention in und außerhalb von Schulen ist uns sehr wichtig. Wir wollen die Mittel für den Kinderschutz und „Frühe Hilfen" aufstocken und Kinder und Jugendliche vor Gewalt deutlich besser schützen. Wir unterstützen die Netzwerk- und Beratungsarbeit der Fachstelle Kinderschutz und präventive Strukturen auf dezentraler Ebene im schulischen, außerschulischen, Kita- und Gesundheitsbereich. Wir wollen Kinder über die Gefahren von körperlicher, psychischer oder sexualisierter Gewalt z. B. durch  Cybermobbing, -grooming und –sexting aufklären und sie in ihrer Selbstbestimmung über ihren Körper bestärken. Wir werden die Stellen für Schulsozialarbeit und die schulpsychologische Betreuung erhöhen. Polizei und Justiz müssen umfassender geschult und weitergebildet werden als bisher.

Grundsätzlich befürworten wir das System der Schulvisitationen, denn es soll Schulen helfen, aufgrund eines Blicks von außen ihre Qualität zu verbessern. In den Visitationen, die durch das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) bis 2018 alle fünf Jahre pro Schule, und seit dem letzten Schuljahr je nach fachlicher Dringlichkeit der Schule durchgeführt werden, sehen wir eine Unterstützung der Schulen. Allerdings findet derzeit eine Abfrage einer Fülle von Daten bei den Schulen statt, auf deren Basis ab November sogenannte Statusgespräche zur Schulbilanzierung stattfinden sollen. Hierin sehen wir eine akute Überforderung der Schulen und befürworten eine schnittstellenfähige Software zur Dateneingabe und eine Verschiebung der Statusgespräche an das Schuljahresende. Schulvergleiche können wichtige Erkenntnisse für die Schulqualität bringen, es müssen dann aber auch Schlussfolgerungen und Maßnahmen zur Qualitätsförderung daraus erfolgen. Wir wollen im Rahmen von Gesetzesnovellen zum Kitagesetz und zum Schulgesetz die Rahmenbedingungen für einen guten Ganztag verbessern. Wir wollen das Beratungs- und Unterstützungssystem (BUSS) sowie das LISUM stärken, denn beiden Begleitsystemen kommen durch Themen wie Digitalisierung, Seiteneinsteiger*innen, Qualitätsentwicklung wichtige Schlüsselfunktionen zur Unterstützung der Schulen zu. Wir haben seinerzeit die Verringerung der Regionalstellen der Schulämter von sechs auf vier kritisiert, derzeit sehen wir unsere Aufgabe eher darin, deren Arbeitsfähigkeit zu stärken, als die Strukturdebatte erneut zu führen.

Viele Grüße,
Julia Schmidt