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Joachim Orth
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Frage an Joachim Orth von Christiane L. bezüglich Arbeit und Beschäftigung

Sehr geehrter Herr Orth,

seit Jahren hört man, dass die deutsche Wirtschaft "brummt" und wir - angeblich - noch nie so wenig Arbeitslose hatten.
Tatsache ist, dass zu den 2,8 Mio Jobsuchenden noch 7 Mio Minijobber gezählt werden müssen + 4 Mio Hartz IV Empfänger + 3 Mio "Zwangs-Selbstständige" (die sich selbstständig gemacht haben, weil sie keine Anstellung mehr finden) + X Millionen Menschen, die Weiterbildung betreiben, damit sie ebenfalls nicht in der Arbeitslosenstatistik auftauchen.
ALLE diese Menschen haben KEINE richtige Anstellung in Deutschland!
Sicherlich befinden sich unter den Minijobbern viele, die keine TZ- oder VZ-Stelle wollen; die stellen aber die Minderheit. Die Mehrheit der Minijobber sucht händeringend nach einer Anstellung; viele überleben nur, weil sie 2 oder gar 3 Minijobs annehmen.
Unter den Zwangs-Selbstständigen befinden sich zahlreiche Lehrer und Journalisten, PR-Manager, Kommunikatoren; zu denen auch ich gehöre.
Weiterbildungseinrichtungen rekrutieren Teilnehmer direkt zu Dozenten (ohne Einarbeitung), natürlich auf freiberuflicher Basis, also nicht sozialversicherungspflichtig angestellt, weil die Kurse dieser Akademien voll sind mit Arbeitslosen, die von der Arbeitsagentur dorthin geschickt werden.
Ich selbst war zuletzt Pressesprecherin eines großen chin. Konzerns, bin arbeitslos geworden, habe 2 Fortbildungen gemacht und kämpfe seitdem zwischen Hartz IV und Zwangs-Selbstständigkeit ums Überleben - und kenne zahlreiche Ex-Kollegen persönlich, denen es genauso geht!
Ich weiß, wie die Zustände wirklich sind und bin einfach nur noch erschüttert, wie FALSCH deutsche Politiker mit den Tatsachen in unserem Land umgehen (das gilt für alle große Parteien)! Kein Wunder, dass die Stimmung bei den Wählern Richtung Nichtwählengehen und Extrem kippt.
Warum weigern sich alle, die Wahrheit zu sagen? Und dann die Misere anzupacken und zu verbessern?
Für eine konstruktive Antwort bedanke ich mich im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Frage von Christiane L. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 5 Tage 7 Stunden

Sehr geehrte Frau Linkenbach,

leider deckt sich Ihre Wahrnehmung nicht unbedingt mit meiner. Ich habe versucht, in den letzten Tagen Belege für Ihre genannten Zahlen zu finden, was mir leider nur rudimentär gelungen ist.

Sicherlich hatten wir schonmal weniger Arbeitslose, das war allerdings deutlich vor 1990 und nach Prozenten auf die damaligen Basiszahlen umgesetzt. Tatsache ist leider, dass von den 2,8 Mio. gemeldeten Arbeitslosen einige Zehntausend gar nicht ernsthaft einen Job suchen, aus welchen Gründen auch immer. Die Minijobber haben teilweise auch einen Hauptjob und da sie sich nicht arbeitssuchend gemeldet haben, will ich sie auch ungern zu den Arbeitslosen zählen. Die Hartz IV Empfänger sind entweder schon in der Arbeitslosenzahl erfasst oder können nicht arbeiten, weil Kinder, Kranke etc. und die Weiterbildung Treibenden sind laut Agentur für Arbeit ca. 300.000, die aber richtigerweise zu den Jobsuchenden zu zählen sind. Heute las ich in der Zeitung, wir haben angeblich 1,1 Mio. offene Stellen, die großteils nicht zu besetzen sind. Warum nur?

 Was nun Ihre konkreten Fragen angeht, versuche ich mal wirklich konstruktiv zu antworten: 1. Warum weigern sich alle, die Wahrheit zu sagen? Ohne auf den Status "alle" einzugehen sind es einerseits die, die wiedergewählt werden wollen und andererseits die, die glauben, aus Fake News Profit zu schlagen. Die, die wiedergewählt werden wollen, haben leider gelernt, dass das Wahlvolk primär auf dumme Versprechungen reagiert und die Wahrheit gar nicht wissen will. Die, die den Profit aus Ihren Lügen schlagen wollen, erzählen Dinge, die gerade bei den Nicht- oder Protestwählern ankommen (könnten), um deren Stimmen zu ergattern. Kleines Beispiel: Bei der Kommunalwahl in unserem Kreis wurden 3 Mitglieder der AfD in den Kreistag gewählt, obwohl sie kommunalpolitisch noch nie was geleistet haben bzw. seit der Wahl leisten konnten und die Wahlkampfthemen alle nichts mit Kommunalpolitik zu tun hatten. Woher dann trotzdem so viele Stimmen?

2. Und dann die Misere anzupacken und zu verbessern? Sie fragen den Falschen, ich bin weder im Bundestag noch im Landtag. Die Blockade entsteht, weil immer gerade irgendwo "vor der Wahl" ist. Lösung: Alle Wahlen (Europa, Bund, Land, Kommune) auf einem Tag alle vier, fünf oder besser sechs Jahre. Da hätte man Zeit etwas anzupacken. Die Misere wird aber auch nicht unbedingt als solche verstanden. Dann kommen die Antworten wie: "Die Arbeitsagentur tut doch alles." Andererseits muss man auch als Bürger Kompromisse eingehen. Überspitzt gesagt: Als Walfänger finde ich in Deutschland wohl keinen Job. Und mit vielen anderen unattraktiven Ausbildungen kommt man leider auch nicht weiter. Was kann man also tun? Einerseits muss man einen Beruf haben, der gebraucht wird, meine Wahrheit sagt, dass Journalisten, PR-Manager und Kommunikatoren nicht unbedingt dazu gehören. u.a., weil es deren Job ist, keine Wahrheiten zu verbreiten. Andererseits muss man sich aktiv um den Job kümmern, d.h. Klinken putzen, bereit sein, umzuziehen und auch die Ansprüche ans Salär anfangs etwas zurückschrauben.

Ich denke, das war nun vielleicht zuviel an Wahrheit und das, was man nicht hören will. Aber es ist meine ehrliche Meinung. Kann man sich gern auch drüber unterhalten: Es sind einige Podiumsdiskussionen im RBK in der Planung, danach habe ich gern Zeit für Einzelgespräche. Meine Telefonnummer ist auch mit wenig Aufwand zu finden, dann aber bitte nur für eine Terminvereinbarung.

Freundliche Grüße aus Leichlingen
Joachim Orth