Jannik Schestag
ÖDP

Frage an Jannik Schestag von Xngeva Yruznaa bezüglich Frauen

17. Oktober 2018 - 13:57

Sehr geehrter Herr Schestag,

Als Mitglied des Gießener Vereins "Alarm gegen Sexkauf und Menschenhandel e.V." und möchte ich sie zum.Thema Prostitution und Frauenrechte befragen:

Täglich kaufen sich in Deutschland etwa 1,2 Millionen Männer Sex.

Udo Gerheim stellt in seiner Dissertation "Die Produktion des Freiers" aus dem Jahr 2012 u.a. dar, wie durch den Sexkauf die Akzeptanz der Freier für sexuelle Grenzen von Frauen, die Bereitschaft zur Erfüllung von sexuellen Wünschen von Frauen und Anforderungen von Frauen an Sex, sowie die Akzeptanz von imperfekter "sexueller Performance" oder Körpern nicht nach den Wünschen des Freiers, auch im. Privaten, stark sinkt.

1.) Wie möchten sie uns Frauen davor schützen?

2.) Wie ist ihre Meinung zum "Nordischen Modell", welches Freier für Sexkauf bestraft, den Prostituierten Ausstiegshilfen bietet, und der Gesellschaft Aufklärung und Prävention über die negativen Folgen von Prostitution und Sexkauf - ganz vorrangig für Frauen - verschafft?

Mit freundlichen Grüssen,
Xngeva Yruznaa

Frage von Xngeva Yruznaa
Antwort von Jannik Schestag
17. Oktober 2018 - 15:20
Zeit bis zur Antwort: 1 Stunde 22 Minuten

Guten Nachmittag Frau Yruznaa,

Ich möchte zuerst eine Stellungnahmen machen und im Anschluss gerne beide
Punkte zusammen beantworten.

Die Aussagen, welche sie aus der Dissertation von Herrn Gerheim zitiert
haben halte ich gleichermaßen für erschreckend wie realistisch. Es wäre
auch fahrlässig eine wissenschaftliche Studie als Politiker einfach zu
negieren. Die These beinhaltet jedoch nur Freier, also Menschen die Sex
kaufen. Ich vermute ohne wissenschaftliche Belege, dass traurigerweise
darüber hinaus auch One-Night-Stands und der Konsum von Pornographie eine
ähnliche Wirkung haben könnten. Selbstverständlich geht dabei nicht der
Menschenhandel einher und ist damit "weniger schlimm", aber trotzdem
sollten wir als Gesellschaft die Folgen nicht hinnehmen. Trotzdem sollte
Pornographie auch als eine Form der Prostitution betrachtet werden, da es
auch hierbei um den Kauf von Sexualität geht.

Ich möchte gerne einbringen, dass es gewollte Selbstprostitution gibt.
Sicherlich machen dies weit weniger Frauen als diejenigen, die gezwungen
werden oder es aus Geldmangel machen. Auchgleich ich mir niemals vorstellen
könnte mit einer Frau gegen Geld zu schlafen sollte in keinem Fall diese
freiwillige Möglichkeit genommen werden. Denn was wäre die Folge einer
kompletten Kriminalisierung:
1. Dieser riesige Markt wird komplett ins Illegale wandern, was den
Verhältnissen der Frauen nicht gut tun wird.
2. Dadurch, dass Sexualität zu erhalten für manche Männer leider essentiell
ist und eine Legale Beschaffung nicht möglich ist und sich gegebenenfalls
keine Frau zum einvernehmlichen Geschlechtsverkehr finden lässt steigt
nicht unrealistisch könnte auch ein Anstieg der Anzahl an Vergewaltigungen
eine Folge sein. Dies wäre weit schlimmer als einen legalen Markt auf
Sexualiät zu haben.
Soweit die legale freiwillige Prostitution. Für Frauen in legaler aber
zugleich unfreiwilliger Prostitution (wegen beispielsweise Geldproblemen)
sollte es definitiv mehr Hilfe zum Ausstieg geben. Konkret sieht man im
Programm der ÖDP einige Vorschläge wie man den Sozialstaat stärken sollte.
Ein Grundeinkommen, Erziehungsgehalt und bezahlbarer Wohnraum sollte
zumindest die Geldprobleme hoffentlich beseitigen. Zudem sollte mehr Hilfe
für Drogenbekämpfung und -prävention Menschen in verschiedenen Lagen
helfen. Selbstverständlich auch eine Stärkung von NGOs die sich aktiv mit
betroffenen Frauen auseinandersetzen.
Illegale Prostitution ist ein wesentlich größeres Problem. Gegen diese wird
ja bereits vorgegangen, aber mit der Illegalität einher geht, dass sich
Zuhälter*innen verschanzen und Verteidigung aufbauen.
Eine logische Konsequenz muss sein, dass
a) der Polizeiapparat gestärkt wird. Zudem sollen Polizeikräfte in weniger
großem Maß im Sport (bspw. Bundesligaspiele) eingesetzt werden, sondern
mehr in Aufgaben wie der Bekämpfung illegaler Prostitution,
Wohnungseinbrüchen oder diesen Delikten.
b) Derzeit erhält man, falls man erwischt wird für illegale Prostitution
als Bestrafung sechs Monate oder 180 Tagessätze Geldstrafe. Diese
Bestrafung ist viel zu gering, wenn man doch bedenkt, was den
Prostituierten dabei geschieht. Also ja, wesentliche härte Strafen.
c) Ich finde es für wichtig, dass es in der Schule mehr thematisiert werden
sollte. Dabei sollte das Thema zusammen im Rahmen mit sexueller Belästigung
und Gewalt betrachtet werden und Schüler*innen die Option gegeben werden,
sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, da dies noch die beste Zeit ist um
Menschen zu erreichen. Ziel sollte es auch ganz klar sein, dass Männer die
sexuellen Wünsche und Grenzen einer Frau besser respektiert
(selbstverständlich auch anders herum und auch bei homosexuellen Paaren).
Durch eine knallharte Konfrontation halte ich es für sehr realistisch, dass
mehr Menschen sich über Folgen von eigenem Handeln Gedanken machen.

Ich hoffe ich habe die Frage ausreichend beantwortet. Ich halte das für ein
sehr schweres und zugleich wichtiges Thema.

Mit ökologischen Grüßen,
Jannik Schestag