was werden Sie initiieren oder unterstützen, um unsere Gesellschaft vor den Folgen der gesichert steigenden Temperaturen zu schützen?
Sehr geehrter Herr Katzenstein,
es sterben vermehrt Menschen an den steigenden Temperaturen. Wir, d.h. unsere Gesellschaft ist spätestens seit den 70ziger Jahren über die Klimaerwärmung und ihrer Folgen informiert. Manche PolitikerInnen bezeichnen die nun deutliche Hitzentwicklung als Wetter oder Phänomen, Sie hoffentlich nicht.
Etwa 10.000 Menschen starben bis Juli im Jahr 2026 an und durch die Hitze.
Um diese gefährliche Entwicklung zu stoppen, braucht es Engagement in unterschiedlichen Bereichen. Wo sehen Sie Ihren Schwerpunkt?
Mit freundlichen Grüßen
Peter S.
Sehr geehrter Herr S.,
die Klimakrise ist längst Realität und keine bloße Wettererscheinung, davor warnen meine Partei und ich schon seit Jahr und Tag. Ich habe in den 90er Jahren Physik studiert, ein Schwerpunkt war die Umweltphysik. Schon damals wurde mir im Studium beigebracht, dass mit einer Zunahme der Wetterextreme (Anzahl, Heftigkeit) zu rechnen ist, wenn die klimaschädlichen Emissionen nicht drastisch reduziert werden. Leider tritt all das nun ein…
Aufgrund meines Studiums bin ich dann zu den Grünen gegangen – um mich aktiv für die Zukunft unserer Kinder und Enkel einzusetzen. Lokal als Stadtrat in Neckargemünd und seit gut 10 Jahren als Landtagsabgeordneter.
Der Verkehr trägt zu rund einem Drittel zu den klimaschädlichen Emissionen bei. Und im Gegensatz zu den anderen Sektoren sind die Emissionen seit 1990 nicht gesunken! Daher ist die Verkehrspolitik und insbesondere die umweltfreundliche Mobilität mein Schwerpunkt im Landtag.
Baden-Württemberg erlebt in diesem Sommer sehr deutlich, wie stark sich unser Land bereits verändert: durch Rekordtemperaturen, Dürre, sinkende Grundwasserstände sowie häufiger auftretenden Starkregen und schweren Unwettern. Für mich gilt: Klimaschutz hat Priorität! Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sind die zentralen Zukunftsaufgaben, wenn wir unsere Lebensgrundlagen erhalten wollen!
Beides muss vor allem vor Ort mit konkreten Maßnahmen umgesetzt werden. Mit der Novelle des Klimagesetzes Baden-Württemberg sind kommunale Klimaanpassungskonzepte verpflichtend geworden und das Land unterstützt die Kommunen finanziell bei deren Umsetzung. Mit Programmen wie KLIMOPASS unterstützt das Land außerdem Städte und Gemeinden dabei, Plätze zu begrünen, Schwammstadt‑Elemente zu schaffen, Fassaden zu bepflanzen und kühle Aufenthaltsorte zu entwickeln. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) stellt mit ihren 100 Best‑Practice‑Beispielen praxistaugliche Lösungen bereit, die zeigen, wie Klimaanpassung vor Ort funktionieren kann. Für diese neue Legislaturperiode haben wir im Koalitionsvertrag vereinbart, mit einem Finanzierungsgesetz für Investitionen Kommunen gezielt bei Klimaschutz und Klimaanpassung zu unterstützen. Gleichzeitig stärkt das Land natürliche Schutzsysteme wie Wälder, Moore, Auen und Böden, die Wasser speichern, Hitze abmildern und Hochwasser bremsen.
Ebenso wichtig ist mir der Gesundheitsschutz. Ältere und pflegebedürftige Menschen sind durch extreme Hitze besonders gefährdet. Deshalb müssen Kommunen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser gut vorbereitet sein. Das Land hat dafür eine eigene Taskforce „Gesundheitlicher Hitzeschutz“ im Juli dieses Jahres eingerichtet, die bestehende Maßnahmen besser vernetzen und gezielt ausbauen soll. Einrichtungsbezogene Hitzeschutzpläne sind ebenfalls ein wichtiger Baustein.
Auch wirtschaftlich ist eine Klimaanpassung zwingend notwendig. Extremwetter verursacht hohe Schäden an Infrastruktur, Ernten und Produktionsprozessen. Niedrigwasser behindert die Schifffahrt, Lieferketten geraten ins Stocken, Unternehmen müssen häufiger in Reparaturen und Kühlung investieren. Nicht nur wir Grünen, sondern auch die EU‑Kommission weist darauf hin, dass jeder Euro für Klimaanpassung ein Vielfaches an Folgekosten spart. Klimaanpassung ist damit eine Investition in die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Baden‑Württemberg.
Freundliche Grüße
Hermino Katzenstein

